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Weinseelig Mai 2009
Weinseelig – ein Sommerabend mit Bodensee-Weinen
(D-Konstanz) Der grenzüberschreitende Sommerabend mit Bodenseeweinen rückt näher: Am 25. Juni ist es soweit, die Veranstaltung findet an diesem Tag zum ersten Mal überhaupt statt. Die Organisatoren haben dafür das Restaurant Seerhein ausgesucht – direkt am Rhein gelegen. Besucher sind zur Verkostung in lockerer Atmosphäre herzlich eingeladen. Zu einen geringen Unkostenbeitrag können sie so Weine aus der Bodenseeregion probieren. Deutsche, Thurgauer und Schaffhauser Winzer sind dabei!
Hans Peter Wägeli ist Vorsitzender des Thurgauer Weinverbandes mit 220 Mitgliedern. Im Kanton Thurgau produzieren die Winzer rund 265 Hektar Wein, davon ein Drittel Weiß- und zwei Drittel Rotwein. Das macht 1855 Hektoliter Wein.
akzent: Herr Wägeli, warum machen die Thurgauer Winzer beim Sommerabend mit Bodensee-Weinen mit?
Wägeli: Mit dem Sommerabend haben wir mehrere Punkte im Blick: Erstens ist es uns wichtig, die Weine des Thurgaus in Konstanz vorzustellen. Zweitens möchten wir Kontakt mit anderen Winzern der Region pflegen. Drittens geht es uns darum, unsere Weine mit den anderen Weinen der Region zu vergleichen. Es ist also auch eine Standortbestimmung.
akzent: Was versprechen Sie sich von diesem Abend?
Wägeli: Es dreht sich um eine angenehme Art der Kundenpflege! Dafür ist eine solche Messe wunderbar geeignet. Eine unmittelbare Vermarktung haben wir zunächst nicht im Sinn. Wir möchten gerne die Thurgauer Weine einfach vorstellen. Eine zukunftsorientierte Vermarktung wäre dann der nächste Schritt.
akzent: Wieviele Winzer beteiligen sich am Sommerabend?
Wägeli: Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir rund 15 Zusagen von Thurgauer Winzern.
akzent: Was erwartet die Besucher des Abends seitens der Thurgauer Weine?
Wägeli: Zum einen eine Vielfalt an Sortenweinen. Wir bauen ja im Thurgau vielmehr als Müller-Thurgau oder Spätburgunder an, auch wenn Pinot Noir (Spätburgunder – Red.) sicherlich unsere wichtige Rotweinsorte ist. Doch präsentieren wir auch winterspezifische Sorten und Spezialitäten. Die Rebsorte Maréchal-Foch, kaum bekannt, stellen wir vor, sowie Cuvées und Assemblagen (Cuvée: Verschnitt aus verschiedenen Rebsorten, Jahrgängen oder Lagen, Assemblage: Zusammenfügen der Einzelweine im richtigen Mischungsverhältnis – Red.). Spätburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Müller-Thurgau, werden natürlich nicht fehlen. Auch nicht unsere frisch auf der Thurgauer Frühjahrsmesse prämierten Weine.
akzent: Man hört erstaunlich wenig in Deutschland über die Aktivitäten der Schweizer Winzer. Woran liegt das?
Wägeli: Unser Markt ist sehr regional. Obwohl wir eine relativ große Menge anbauen, also insgesamt über 1 Millionen Hektoliter in der Gesamtschweiz, werden die Weine pro Jahr getrunken. Das liegt daran, dass die Schweizer Weine internationaler geworden sind somit mehr Menschen ansprechen. Insgesamt haben die Schweizer Weine eine großen Qualitätssprung nach oben gemacht. Das liegt auch an den Gesetzen: Seit 1990 besteht eine Mengenbeschränkung im Anbau. Ganz aktuell haben wir seit 2009 unsere Anbaugebiete in AOC (appelation d'origine contrôlée, Herkunftsbezeichnung Red.) eingeteilt. Ohne dieses Gesetz konnten die Schweizer Winzer nicht in die EU exportieren.
akzent: Wie könnte man diese hinsichtlich Wein überwinden?
Wägeli: Natürlich gelingt das eher, wenn man Events gemeinsam veranstaltet. Auch unser Vinorama in Ermatingen hilft, die Schweizer Weine bekannter zu machen: Dort stellen wir Weine aus der Bodenseeregion vor, und zwar nicht nur Schweizer Weine, sondern aus der internationalen Bodenseeregion. Gemeinsam kann man einfach mehr erreichen.
akzent: Plant Ihr Verband ähnliche Veranstaltungen wie „ein Sommerabend mit Bodensee-Weinen“?
Wägeli: Nein, das ist neu. Wir waren jedoch immer aktiv: Letztes Jahr zum Beispiel veranstalteten wir die Tischmesse in Weinfelden. Dann haben wir am 1. Mai den „Tag der offenen Weintür“ im Thurgau. 15 Winzer machen auch dieses Jahr wieder mit. Und natürlich veranstalten wir unsere beliebte Gourmetwanderung, wie jedes Jahr. Einige Winzer beteiligen sich auch mit ihren Weinen an der Meersburger Müller-Thurgau Prämierung.
akzent: Worin unterscheidet sich der Thurgauer Wein von der anderen Seeseite, sagen wir mal, vom Meersburger Wein?
Wägeli: Meersburger Wein ist etwas gehaltvoller, da er an der Südseite des Bodensees wächst. Wir liegen ja im Thurgau an der Nordseite des Bodensees. Natürlich bauen wir Winzer im Thurgau unsere Weine an den klassischen Südhängen an. Der Schweizer Wein ist insgesamt etwas anders: Wir bevorzugen Weine mit biologischem Säureabbau. Das verleiht den Weißweinen mehr Schmelz. Die deutschen Winzer bevorzugen etwas mehr Säure bei den trockenen Weinen.
akzent: Worin sind die Thurgauer Weine stark?
Wägeli: Unsere Weine sind je nach Lage verschieden. Sie sind daher sehr differenziert im Gegensatz zu Weinen aus Übersee. Die Vielfalt der Weine sind bei uns von Gemeinde zu Gemeinde sehr verschieden und daher individuell. Hinsichtlich Marketing arbeiten wir im Thurgau sehr eng mit den Gastronomen zusammen. Zusammen führen wir viele Veranstaltungen durch. Daher wird auch viel regional getrunken.
akzent: Werden denn überhaupt Schweizer Weine in Deutschland getrunken?
Wägeli: Ich glaube schon, dass unsere Weine eine Chance in Deutschland haben. Die Schweiz ist ein Urlaubsland. Die Deutschen lernen unsere Produkte kennen, wenn sie hier Urlaub machen. Zudem ist jeder dritte Angestellte im Krankenwesen und jeder fünfte im Gastgewerbe Deutsche oder Deutscher. Auch so lernen sie unsere Kultur kennen und trinken somit auch Schweizer Weine.
akzent: Was schätzen Sie an den Bodenseeweinen im Allgemeinen?
Wägeli: Das Bouquet und die Eleganz. Die Weine sind strahlend und typisch für die Region. Gesunde, ausgereifte Trauben bringen schöne Bouquets, und darauf achten viele Bodenseewinzer.
Für alle Weininteressierten, die in lockerer Atmosphäre Weine probieren wollen:
Der „Sommerabend mit Bodenseeweinen“ findet am 25.6. von 17.00 bis 21.00 Uhr im Restaurant „Seerhein“ in Konstanz statt.
Eintritt: 10,00 €
www.thurgauweine.ch
Das Interview führte Rebecca Koellner.
Frohe Botschaft aus dem Lauchetal
(CH-Frauenfeld) Die beliebte Wein- und Gourmetwanderung der Thurgauer Winzer und Gastronomiebetriebe findet wieder statt. Diesmal führt die Wanderung auf dem Biberweg durch Rebberge in das Schweizer Lauchetal.
Die Teilnehmer genießen kulinarische Gaumenfreuden mit den dazu passenden Thurgauer Weinen. Bei gutem Wetter gibt es sogar noch einen prächtige Weitsicht vom Alpstein bis hin zu den Glarner-Alpen. Das Lauchetal erstreckt sich von Märwil, am Südhang des Immenberges entlang nach Matzingen. Die Region ist seit langem für ihre Weine bekannt. Die Grafen von Toggenburg betrieben seit 1270 Weinbau am Immenberg. Vor über hundert Jahren, vor dem Reblausbefall um 1900, war am Immenberg die größte zusammenhängende Rebbauregion des Kantons Thurgau. Heute bauen die Winzer mit viel Hingabe ihre Weine in Handarbeit aus. Eine reizvolle Wanderung von rund neun Kilometer, mitten durch die Reben des Lauchetals führt zu fünf ausgesuchten Rastplätzen, an denen die Teilnehmer kulinarische Leckerbissen und über 20 Weine genießen.
Wein- und Gourmetwanderung, Lauchetal
Sonntag, 14. Juni
Erwachsene: CHF 79,00, Kinder CHF 28,00
Gratis-Bus ab Bahnhof Frauenfeld
Anmeldung auf www.thurgauweine.ch
Die Rundwanderung erfolgt in Gruppen, welche zwischen 9:30 und 12:30 Uhr, in Abständen von jeweils 15 Minuten starten.
Text: Rebecca Koellner


