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Weinseelig November 2009
Biowein in der Schweiz – von der Integration zur Konsequenz?
(CH – Thurgau) Drei Weinproduzenten aus dem Thurgau berichten über ihre Erfahrungen mit der Produktion von Biowein.
Schloss Arenenberg
Viele Besucher kennen das Schloss Arenenberg als Ausflugsziel. Aber nur wenige sehen den Weinberg unterhalb des Schlosses oder wissen, dass sich in dessen unmittelbarer Nachbarschaft eine landwirtschaftliche Schule befindet. Im Betriebshof der 1906 gegründeten Schule tummeln sich Schafe, Kühe und Hühner, man findet Bienenstöcke und Obstbäume. Dazu gehören noch eine Gärtnerei mit Gemüsebau und ein Sortengarten mit zahlreichen Tafeltrauben. Beim Weinberg gibt es ebenfalls einen Rebgarten, in dem man Weintrauben in rund 50 Sorten bestaunen kann. Der Weinberg gehört eigentlich nicht zur Landwirtschaftsschule, da dort kein Weinbau gelehrt wird. Dafür müssen die jungen Schweizer Winzer nach Zürich fahren. Aber das Bistro des Schlosses wird mir dem dort angebauten Wein beliefert.
Über den Weinberg wacht seit fast 20 Jahren der Reb- und Kellermeister Michael Polich . Müller-Thurgau, Spätburgunder und Kerner sind die Haupt-Rebsorten. Dazu werden seit 1994 noch einige pilzresistente Sorten wie Marechal Foch, oder Leon Milliot angebaut, die zusammen mit dem Spätburgunder zum Thurgauer Cuvée namens „Bonaparte“ komponiert werden. „Wir bemühen uns, nützlingsschonend zu spritzen“, erklärt Michael Polich. Die Rebgassen würden begrünt und abwechselnd gemäht, damit die Nützlinge darin leben könnten. Gegen den Traubenwickler hätten sich Pheromon-Fallen bestens bewährt und man verwende rückstandsfreie Herbizide. Diese Bewirtschaftung nennt sich „integrierter Weinbau“ und ist so ein Mittelding zwischen konventionellem und biologischem Anbau. Hätte er denn einmal in Erwägung gezogen, ganz auf „Bio“ umzusteigen? Michael Polich verneint. Der ökologische Gedanke sei zwar da, aber die komplette Umstellung sei ihm zu risikoreich.
Am östlichen Untersee
Etwas anders sieht das sein Kollege Urs Fischbacher aus Triboltingen bei Ermatingen. Er würde eventuell umstellen, könne aber nicht, da seine beiden Nachbarn wie er auch integrierten Anbau betreiben und er fürchtet, dass von diesen zu viele Stoffe auf seinen Weinberg gelangten, dass er die Zertifizierung als Bio-Betrieb gar nicht erlangen könne. Außerdem würde im Bio-Anbau auch jede Menge gespritzt, nämlich Kupfer, das sich im Boden anreichere. Er baut hauptsächlich Blauburgunder und Müller-Thurgau an und aus. Zusätzlich stellt er einen Weinbrand her und eine kulinarische Besonderheit: Verjus, das ist der unvergorene Saft von unreifen Müller-Thurgau-Trauben, der sich bestens in der Küche anstatt des viel säurelastigeren Zitronensaftes einsetzen lässt. Alle Erzeugnisse von Urs Fischbacher findet man im Geschäft „Le Bouquet garni“ seiner Frau Astrid Hungerbühler in Wil.
Im Westen des Kantons Thurgau
In der Schweiz ist der Biowein erst mit rund sieben Prozent von der Gesamtproduktionsmenge vertreten, die meisten und größeren Bio-Winzer findet man in der Westschweiz, in den Kantonen Wallis und um den Genfer See. Im Bodenseegebiet gibt es nur wenige, zwei bis drei Hektar große Bio-Weinberge. Doch der von Roland Lenz ist größer: „Bio-Weinbau ist möglich“, meint der Winzer, der gerade dabei ist, seinen vormals als integriert bezeichneten Betrieb auf Bio umzustellen. Die Umstellung erfolgt schrittweise, pro Jahr sind es zwei Hektar, die dann das Bio-Suisse Knospe-Zertifikat erhalten. Dieses entspricht dem deutschen Bioland- oder Ecovin-Verband. Roland Lenz ist bisher sehr zufrieden und empfindet die Umstellung als überhaupt nicht radikal. „Wein entsteht in der Natur“, resümiert der Winzer und will sich in Zukunft noch mehr für die Natur einsetzen, da er seinen 12-Hektar-Betrieb gleichzeitig mit der Umstellung vergrößern will. Auf seinem Betrieb in Uesslingen – zwei Kilometer westlich von der Kartause Ittingen gelegen – herrscht im Moment sowieso Hochstimmung: Ganz vom Hagel verschont, begann die Lese schon zehn Tage früher als üblich, und alles deutet darauf hin, dass der Jahrgang 2009 vergleichbar mit dem von 2003 sein wird.
Fazit:
Der integrierte Weinbau ist ein guter Weg mit einem konventionellen Hintertürchen, der aber noch weit vom Bio-Anbau entfernt ist. Bio-Anbau erfordert Mut, der allen umstellungswilligen Weinproduzenten zu wünschen ist – der Natur zuliebe.
Info:
Michael Polich,
Schloss Arenenberg, CH-8264 Salenstein, Tel. 0041 (0)71 663 32 23; Landwirtschaftsschule Schloss Arenenberg: www.lbbz.tg.ch
Urs Fischbacher,
Hauptstr. 58, CH-8273 Ermatingen-Triboltingen, Tel. 0041 (0)79 856 3864
www.fischbacher-weine.ch
und
Astrid Hungerbühler
„Le Bouquet Garni“
Marktgasse 12, CH-9500 Wil
Roland Lenz,
Iselisberg 23, CH-8524 Uesslingen, Tel. 0041 (0)52 746 1386
www.weingut-lenz.ch
Text: Susanne Breyer


