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Story/Thema August 2010

Nicht ohne Tante Emma – die Renaissance der Dorfläden

Nicht ohne Tante Emma – die Renaissance der Dorfläden

Ach, war das schön, als man seinen Einkauf noch bei Tante Emma erledigte und zwischen Brötchen, Zahncreme und Leberwurst über’s Tagesgeschehen plaudern konnte! Was ist dagegen schon die eilig erledigte Versorgungsfahrt zum Discounter auf der grünen Wiese? Tatsächlich wird das Thema Dorfläden zunehmend aktuell und das nicht aus nostalgischen Gründen: Die Frage nach der Sicherung einer unkomplizierten Versorgung der Bevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs ist ein wirkliches Politikum und eine Gemeinde, die sich dieser Frage nicht stellt, vergibt ein wesentliches Standortargument und ein Stück Lebensqualität.

Die Seele des Ortes

In Wolfegg findet man noch so einen Tante-Emma-Laden, wie er im Buche steht. Auf immerhin 200 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es hier alles vom sprichwörtlichen Hosenknopf über Textilien und Lebensmittel bis hin zu Schreibwaren und Fotoartikeln. Franz und Maria Ott betreiben das Geschäft, das sich seit 109 Jahren in Familienbesitz befindet, mit sehr viel Herzblut in dritter Generation. Ihr Laden, so kann man sagen, ist der soziale Mittelpunkt des 1300-Seelen-Ortes. Jeder Kunde wird aufs freundlichste bedient und zwischendurch bleibt immer Zeit für ein Schwätzle. Im einzigen „Supermarkt“ des Ortes herrscht eine überaus entspannte Atmosphäre – aggressives Marketing bleibt außen vor. Franz Ott ist der Ansicht, dass sein Sortiment eine schöne Alternative zum "normalen" Supermarkt darstellt. Seine Devise: Vielschichtigkeit. Etwa die Hälfte seines Sortiments setzt sich zusammen aus Bioartikeln und Produkten regionaler Anbieter, den Rest bezieht er vom Großhandel. Das Mehl kommt beispielsweise von der Schulermühle, die Bioeier aus Kißlegg, Käse unter anderem aus den Vereinigten Käsereien Dürren. Franz Ott gibt, wie er sagt, jedem Anbieter eine Chance. Maria Ott hat sich als gelernte Floristin ganz auf die kleine Blumenabteilung im Laden konzentriert. Hier fertigt sie Kränze und Gebinde für alle Anlässe von der Taufe bis zur Beerdigung. Komplettiert wird das umfassende Angebot der Otts durch eine Lotto-Toto-Annahme. Arbeitszeit ist für Franz und Maria Ott natürlich kein Thema: Um einen solchen Laden wirtschaftlich am Leben halten zu können, ist voller Einsatz vonnöten. Zusätzlich beschäftigen sie eine Ganztags- und eine Halbtagskraft. In den letzten Jahren sei der Umsatz etwas rückläufig, sagt Franz Ott. Aber das ist für ihn beileibe kein Grund, aufzugeben.

Indiz für gesunde Infrastruktur

Reimut Vogel ist Chefredakteur des Baden-Württemberg-Magazins, Dozent und Spezialist für regionale Nahversorgung. Das Interesse an Dorfläden nehme zu, bestätigt er. Die Gründe sind vielfältig. Dazu gehört die demografische Entwicklung: Es gibt immer mehr ältere Konsumenten, die auf eine Nahversorgung angewiesen sind – das gestiegene Kostenbewusstsein der Bevölkerung im Zuge der steigenden Benzinkosten: die Fahrt zum Discounter und die etwas höheren Preise im Dorfladen werden gegeneinander aufgerechnet – schließlich auch das erhöhte Umweltbewusstsein und die fehlende Regionalität der großen, filialgeführten Unternehmen. Regionalität ist, offensichtlich mehr noch als „bio“, ein Begriff, der Vertrauen genießt. Tatsächlich geht es beim Thema „regionale Nahversorgung“ um mehr. Ortsvorsteher, Bürgermeister und Gemeindeammann sind gehalten, „ihren“ Ort lebendig und die Kaufkraft im Ort zu halten. Beginnen die Einwohner, woanders einzukaufen, ist das der Beginn einer Spirale, die kaum aufzuhalten ist: Wer seine Lebensmittel außerhalb seines Wohnortes kauft, geht auch gleich dort in die Apotheke, zum Schlosser, zum Arzt etc. Reimut Vogel: „Nach und nach geht dann die Infrastruktur im Dorf baden. Gewerbe und Industrie verlieren das Interesse, sich anzusiedeln, die Immobilienpreise fallen und in der Folge sind die Häuser der Dorfbevölkerung weniger wert.“ Peter Werner, Präsident der Genossenschaft Dorfladen in Beggingen (Kanton Schaffhausen), setzt noch eins drauf. Anlässlich eines Nahversorgertages in Weinfelden mahnte er „lebenswerte Infrastrukturen“ an. Fehlten diese, mangele es am Zuzug junger Familien. „Damit entfällt auch der Nachwuchs für die Vereine und die moralische Verpflichtung zum Erhalt der Gemeinschaft mit Rücksichtnahme auf alle Generationen. Abgelöst werden die kinderreichen Familien von Einzelpersonen und kinderlosen Paaren, die sich ihren Traum vom ruhigen Leben auf dem Land erfüllen, sich nirgends engagieren, aber vom Umfeld Rücksicht auf ihre persönlichen Bedürfnisse einfordern.“ Um eine solche Negativentwicklung aufzuhalten, müssen alle ran – vom Gemeinderat über die Vereine bis zu den Bürgern. Die Brisanz des Themas zeigt sich sehr konkret in Ortschaften, die von Discountern umworben werden – mitunter von mehreren gleichzeitig. Welcher Gemeinderat wird bei solchen Anfechtungen nicht schwach! Doch die Gefahr ist klar: Kommt der Supermarkt auf die grüne Wiese, gefährdet das die Ortsmitte in hohem Maße. Markus Zipf, Projektleiter bei Plenum Allgäu-Oberschwaben, rät in solchen Fällen dringend dazu, in der Gemeinde alternative Überlegungen darüber anzustellen, wie der Ortskern gerettet werden könne.

Nahversorgung als länderübergreifendes Anliegen

Derzeit sind fünf Regionen rund um den See – Allgäu-Oberschwaben, Westlicher Bodensee, Vorarlberg sowie Thurgau und Schaffhausen – im Rahmen eines grenzübergreifenden Projektes damit befasst, die Nahversorgung mit Lebensmitteln auf dem Land zu verbessern und sichern zu helfen. Finanziert wird das Projekt aus dem Interreg IV-Programm der EU, Projektpartner sind auf deutscher Seite die Pro Regio Oberschwaben und das Modellprojekt Konstanz. Neben der Vernetzung von Aktivitäten rund um den Bodensee sowie dem Informations- und Erfahrungsaustausch geht es hier vor allem darum, die Gründung von Dorfläden zu fördern oder bestehende Angebote zu sichern. Die Aufnahme regionaler Produkte in das Sortiment spielt dabei eine große Rolle. Bei den Ausgangssituationen der Interreg-Partner gibt es natürlich landesbedingte Unterschiede. In Vorarlberg existiert bisher fast in jedem kleinen Ort ein Lebensmittelladen. Die Strukturen sind noch einigermaßen gesund. Aber, so Claudia Kaufmann von der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH in Bregenz, es gilt hier, eine rückläufige Tendenz ausfzuhalten, denn auch in Vorarlberg sind die Discounter auf dem Vormarsch. Eine österreichische Besonderheit vereinfacht den kleinen Läden das wirtschaftliche Überleben: Eine Nahversorgungsförderung des Landes hilft bei der finanziellen Absicherung sowohl genossenschaftlich wie privat geführter Dorfläden. Großes Engagement kommt auch von Seiten des „Vereins für dörfliche Lebensqualität und Nahversorgung“, der in fast allen Vorarlberger Gemeinden präsent ist. Vor zwei Jahren gegründet, ist es das Ziel des Vereins, mit der Hilfe von Landesverwaltung, Handel und den Kammern nach Lösungsstrategien zur Erhaltung der dörflichen Nahversorgung zu suchen. Auf Schweizer Seite wiederum stellt sich die Situation so dar, dass es zwar Bestrebungen gibt, die regionale Nahversorgung auszubauen, einige angedachte Projekte jedoch steckengeblieben sind. Peter Konrad, Mitarbeiter am Bildungs-und Beratungszentrum Arenenberg, einem Interreg-Partner, erklärt dazu: “Das Interreg-Projekt hat Ideen ausgelöst und Denkanstöße gegeben. Aber das Problem ist hier nicht so akut wie auf der nördlichen Seeseite. Unter anderem auch, weil die Dörfer hier sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen sind.“ Wie sein Schaffhauser Kollege Jürg Wittwer hofft er auf einen Bewusstseinswandel, wobei Wittwer auf den erst kürzlich gegründeten genosschaftlich geführten Laden in Oberhallau verweisen kann.

Von der Kunst, eine Nische zu füllen und dabei wirtschaftlich zu arbeiten

Die Wirtschaftlichkeit ist bei allen Diskussionen um die regionale Nahversorgung ein starkes Thema. Michael Baldenhofer vom Modellprojekt Konstanz zu den bisherigen Erfahrungen: „Unternehmerisch, also privat geführte Dorfläden arbeiten natürlich gewinnorientiert. Genossenschaftlich geführte Läden müssen im Prinzip eine ‚schwarze Null’ schreiben. Hier geht es vor allem darum, kostendeckend zu wirtschaften.“ Überleben können Dorfläden nach seiner Einschätzung nur, wenn sie sich vom klassischen Lebensmitteleinzelhandel abheben. Baldenhofer’s Rat an Gemeinden, in denen sich kein Unternehmer als Nahversorger und Einzelhändler halten kann: Gerade hier sei es sinnvoll, über andere Betreibermodelle wie von Bürgern getragene Genossenschaftsläden nachzudenken. Grundvoraussetzung dazu sei aber der feste Wille, als Gemeinde auch intensiv darum zu kämpfen und mitzuarbeiten. In Gemeinden mit mehr als 3000 Einwohnern sei aber ein unternehmer-geführter Dorfladen zunächst anzustreben. Bei den ganz speziellen Sortimentsanforderungen der Dorfläden sind Partner wichtig, die in der Lage sind, flexibel zu agieren. Die in Ochsenhausen ansässige Utz GmbH & CO. KG ist ein solcher Partner. Das Sortiment ist auf die regionale Kundenstruktur ausgerichtet und setzt Schwerpunkte auf lokale und regionale Sortimente. Von Utz werden alleine rund 200 kleine Läden in Raum Oberschwaben-Bayern beliefert. Keine Frage: Die Zeiten ändern sich und viele Trends lassen sich nicht aufhalten. Allerdings ist sicher keinem damit gedient, wenn dörfliche (Infra-)Strukturen auf dem Altar des Billig-Konsums geopfert werden. Die kleinen Läden sichern, wie man sieht, nicht nur die Versorgung mit Waren des Alltags. Mindestens genauso wichtig ist ihre Funktion als sozialer Mittelpunkt und letztlich ist ihr Vorhandensein ein Indiz für die Lebendigkeit und Attraktivität des Ortes. Gründe genug, ihnen den Rücken zu stärken.

Beispiele für Dorfläden:
Dorfläden Schomburg:
Primisweiler, Tettnangerstraße 8, 88239 Wangen-Primisweiler, Tel. +49 (07528) 915005
Haslach, Schomburgerstraße 3, 88239 Wangen-Haslach, Tel.+49 (07528) 920670
www.schomburgerladen.de

Bäckerei Müller, Hauptstraße 10, 88273 Fronreute/Blitzenreute, Tel. +49 (07502) 912290
Kaufhaus Ott, Wette 1, 88364 Wolfegg , Tel.+49 (07527) 6862

Lädele Schienen Verbrauchergenossenschaft eG, Sonnenbergstraße 2, 78337 Öhningen-Schienen, , www.laedele-schienen.de

Dorfladen Wallhausen eG, Heinrich-von-Tettingen-Straße 23a, 78465 Konstanz-Wallhausen, Tel. +49 (07533) 9400574, www.dorfladen-wallhausen.de

Maxi Wilchingen, Dorfstrasse 139, CH-8217 Wilchingen
Dorfladen Oberhallau, Dorfstrasse 1, CH-8216 Oberhallau
Genossenschaft Dorfladen Beggingen, Hauptstrasse 6, CH-8228 Beggingen

www.dorfladen-netzwerk.de (u.a. zum Sipplinger Dorfladen)
www.plenum.de
www.plenum-ravensburg.de
www.nahversorgung-bodensee.net

Text: Claudia Antes-Barisch

Auf der Sonnenseite: Bodensee Hotel Sonnenhof

Auf der Sonnenseite: Bodensee Hotel Sonnenhof

(D – Kressbronn) In neuem Glanz erstrahlt das Areal rund um das Bodensee-Hotel Sonnenhof in Kressbronn-Retterschen, das am 11. Juli Eröffnung feierte.

Unübersehbar, hoch droben über dem Bodensee, haben Robert und Martina Manhardt etwas wahrhaft Außergewöhnliches geschaffen: Unter dem Motto „Hotel – Wellness-Wohnen“ sind rund um die altehrwürdige Villa Sonnenhof eine neue Parkanlage sowie darin eingepasste Häuser mit unterschiedlichster Nutzung entstanden. Neben einer Pension und Eigentumswohnungen findet man dort einen Fitness-Club, einen Heilpraktiker, einen Friseursalon und ein Fußpflege- und Nagelstudio. Im Haupthaus, der gelben Villa mit rustikalem Mauerwerk und gegliedertem Walmdach ist ein Hotel mit Charakter entstanden. 32 Zimmer mit gehobener Ausstattung, ein Spa-Bereich, eine Wellness-Oase, eine herrliche Sonnenterrasse mit Blick auf den See und den hoteleigenen Badestrand hinüber zum Säntis und dem Pfänder sowie die gehobene Küche des Bodensee Hotels Sonnenhof versprechen einen unvergesslichen, erholsamen und genussvollen Urlaub. Doch nicht nur Feriengäste sind im Bodensee Hotel Sonnenhof herzlich willkommen. Auch Einheimische sollen sich hier wohl fühlen und von den regionalen und internationalen Spezialitäten des Küchenchefs verwöhnen lassen. Aus diesem Grund setzt Robert Manhardt auf hohe Qualität zu moderaten Preisen. Darüber hinaus eignen sich die verschiedenen Räumlichkeiten des Hotels auch bestens für Tagungen, Seminare und Festlichkeiten aller Art, von der Firmenfeier bis hin zur Traumhochzeit.

Weitere Infos:
Bodensee Hotel Sonnenhof
Sonnenhof 4
88079 Kressbronn-Retterschen
Tel.: +49 (07543) 500 220
www.sonnenhof-bodensee.de