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Gastro-Test September 2010

Gasthaus Adler

(D – Radolfzell-Liggeringen) Manchmal ist es gut, wenn sich die Dinge nicht ändern. Schon vor gefühlten 20 Jahren habe ich das Gasthaus „Adler“ in diesem Magazin für seine gut gemachte bodenständige Küche gelobt. Leider hatte ich den Adler inzwischen etwas aus den Augen verloren, was wahrscheinlich mit dem Wegzug vom benachbarten Langenrain ins weitentfernte Konstanz zu tun hatte. Zwischenzeitlich hörte ich von internen Komplikationen, aber seit nunmehr über einem Jahr haben Daniela Degen und ihr Lebensgefährte Alexander Lüder das Gasthaus übernommen. Zeit also wieder einmal vorbeizuschauen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Wenn mein Gewicht und meine berufliche Situation es erlauben würde, wäre es wieder Zeit für einen Umzug, vorzugsweise nach Liggeringen in die Nähe des Adler. Im Einzelnen: In den neunziger Jahren wurden die Räumlichkeiten des Restaurants erweitert und auch eine Terrasse eingerichtet, so dass man zwar nicht unter Bäumen, aber im Angesicht der schönen Dorfkirche sein Essen oder Bier draussen genießen kann. Im Grunde jedoch bietet der „Adler“ immer noch den Charme und die Atmosphäre alteingesessener Dorfgasthöfe, in denen man sich zum Stammtisch oder nach ausgedehnter Wanderung oder Fahrradtour trifft. Die Bedienung ist familiär, freundlich und unkompliziert. Zu meiner Überraschung ist bei der Karte alles beim Alten geblieben: Es gibt immer noch die weißen Bratwürste mit Bratkartoffel und Salat (7, 50 Euro), die leckere ungarische Gulaschsuppe (3, 50 Euro) oder den Schweinebraten mit hausgemachten Spätzle und Salat (8, 80 Euro). Gerade den letzteren muss man loben. Hier werden zwei anständige Scheiben serviert, die mürbe sind, aber immer noch Beißwiderstand bieten, mithin also ideal sind. Die Soße ist selbst gemacht, die Spätzle so, wie sie sein sollen, und der Salat ist einer, der die Beschreibung „gemischter Salat“ auch verdient. Karottensalat (selbstverständlich nicht aus dem Glas), feiner Kartoffel- und Gurkensalat, sowie grüner (Gott sei dank nicht der sonst obligatorische Eisbergsalat!) und Krautsalat erfreuen das Herz des Gasthausbesuchers. Und nun mein altes Leibgericht im „Adler“: „Deutsches Filetsteak vom Grill mit Pfefferrahmsoße, Spätzle und Salat“ (17, 40 Euro). Kaum war das Essen serviert, fühlte ich mich heimisch und an gute alte Zeiten erinnert. Die Spätzle sehr gut und mit einer Soße zum Hineinlegen. Falls man davon nicht genug auf dem Teller hat, wird von beidem auch jeweils eine Extraschüssel dazugestellt. Und dann das Fleisch! Da ich es gerne „rare“ oder „very rare“, sprich innen noch roh mag, bestellte ich es auf diese Art im Vertrauen auf die Künste des Kochs. Wenn das Stück nicht wirklich perfekt ist, kann man das Ergebnis im Allgemeinen vergessen, und so bedeutet es immer ein gewisses Wagnis, ein Filetsteak auf diese Weise zu bestellen. Alexander Lüder, der auch schon im „Adler“ gelernt hat, versteht jedoch sein Geschäft, und so bekam ich das beste, wohlschmeckendste und zarteste Filetsteak serviert seit – wahrscheinlich, seit ich das letzte Mal vor drei Jahren im „Adler“ war.
Fazit: Der Adler in Liggeringen ist ein Gasthaus, wie es leider nur noch wenige gibt: Gutes Essen, große Auswahl auch an Vespergerichten und dies alles zu erschwinglichen Preisen. Auf nach Liggeringen!

Gasthaus Adler
Bodanrückstraße 18, D-78315 Radolfzell-Liggeringen, Tel. 07732 95250, www.adler-liggeringen.de
Warme Küche Di. – So. 11-14 Uhr, abends 17-21 Uhr, Ruhetag Mo.
Hauptgerichte 8-18 Euro,

Text: Henry Gerlach

Restaurant Café Hegaublick

(D – Engen) Von der Aussichtsterrasse genießt man einen der schönsten Blicke über den Hegau und noch viel weiter. Der Hohentwiel und der Hohenkrähen wirken wie kleinere Hügel inmitten einer malerischen Kulturlandschaft. Um dorthin zu gelangen fährt man von Engen etwa fünf Kilometer auf der alten Bundesstraße Richtung Donaueschingen bis kurz vor der Passhöhe und ist schon da.

Der Hegaublick ist ein Ausflugslokal mit gutem Ruf, seit den 70er Jahren auch ein beliebter Biker-Treffpunkt. Die Biker und die Ausflügler lassen sich dort gerne eine Bratwurst oder ein Kalbssteak mit Pfifferlingen von der saisonalen Karte schmecken. Der Küchenchef Werner Saur bietet aber auch viergängige Kreativmenüs mit Anspruch an. Dadurch will er laut Selbstaussage die Kundschaft kulinarisch ein wenig „erziehen“. Wir lassen uns gerne darauf ein und bereuen es keinesfalls. Als erste erzieherische Maßnahme kommt das Amûse Bouche auf den Tisch: ein pikant mit Kardamon gewürztes Mini-Hackfleischküchlein auf süßer Chilisauce. Gar nicht schlecht, sagen wir uns und warten gespannt auf den ersten Gang: eine garantiert hausgemachte Entenleberterrine an sommerlichem Salatkranz und Mangochutney. Sie braucht sich vor der elsässischen Konkurrenz keinesfalls zu verstecken, zudem schmeckt man darin gestoßenen Pfeffer und Koriandersamen – große Klasse! Die Anrichtekunst und die frischen Blüten auf dem Teller sind auch erste Sahne, da verzeihen wir, dass der Salat nicht sehr knackig ist. Die Curry-Kokos-Suppe mit Jacobsmuscheln ist ebenso sehr aufwändig und vielschichtig gekocht. In ihrer Süße wirkt sie etwas grenzwertig, was aber seinen Sinn hat, wenn man den Spieß mit der wuchtigen, saftig gebratenen, Jacobsmuschel und den Cherrytomaten probiert, der mit Fleur de Sel veredelt worden ist. Bodenseezander gibt es diesen Sommer recht selten, deshalb freuen wir uns auf den Hauptgang, der zwar nicht ganz stimmig ist, dafür aber sehr ambitioniert daherkommt. Die würzige Apfel-Lauch-Kruste passt gut, das Gemüse, auf dem der Zander gebettet ist, gleicht jedoch einem wilden Allerlei. Karotten, Lauch, frische Artischocken, Staudensellerie und einiges mehr sind manchem Gaumen auf einmal einfach zu viel. Selbst die asiatisch angehauchte Fischsauce kann die Harmonie kaum wieder herstellen. Dazu gibt es hervorragende Kartoffeln von der Höri. Auch mit der gebrannten Zitronencreme auf Mangospiegel hat man sich mit Konsistenz, frisch abgeflammter Zuckerkruste und guter Bourbon-Vanille große Mühe gegeben, aber die Vanille hat es schwer, sich gegen die Zitrone durchzusetzen. Die Weinkarte ist geprägt von badischen Klassikern (Durbacher, Steinbacher, Neuweirer, Auggener) und gut bestückt mit Obstschnäpsen, von welchen wir einen aromatischen Williams probieren. Mit dem charaktervollen Grauburgunder aus Oberkirch (Ortenau), der eigen fürs Haus abgefüllt wird, sind wir ebenso glücklich, da er gut zu dem kreativen Menü passt. An schönen Tagen wird das ganze Menü von der Aussicht begleitet: Vom Bodensee winken kleine Zipfel, man erkennt deutlich im Untersee die Silhouetten der Mettnau und der Reichenau und sogar kleine Teile des Überlinger Sees, dahinter der Säntis und die Churfirsten.
Fazit: Die Küche ist zeitgemäß und frisch, mit phantasievollen Elementen, die selbst für ein gutes Ausflugslokal erstaunlich sind. Wunderschöner Blick von der Sonnenterrasse und dem Wintergarten aus, der zum Relaxen einlädt.

Restaurant Café Hegaublick
Hegaublick 6, 78234 Engen, Tel. 07733 8755, Fax 5807, ; www.hegaublick.de,
geöffnet im Sommer täglich 10-22 Uhr, November – Mitte April ab 11 Uhr (Ruhetag Donnerstag), Küche bis 21 Uhr,
Hauptgerichte 11-18 Euro, Menü 26-38 Euro

Text: Gert Höcherl