Aktuell
... jeden Monat frisch aus der seezunge-Redaktion des akzent.
Gastro-Test Mai 2010
Cantina Rabajà
(D – Konstanz) Seit nunmehr über zehn Jahren hat sich die Cantina Rabajà, insbesondere aufgrund der Leistungen des Chefkochs Franz Wäschle, in der Spitze der Konstanzer Gastronomie etabliert. Passend zur italienischen Ausrichtung des an eine traditionelle Osteria erinnernden Gewölbekellers sind die (gefühlt!) kilometerlangen Regale, deren Weine auch zum Soloverkauf angeboten werden.
Nach wie vor ist es schwer, in Konstanz eine bessere Küche zu finden als hier. Auf der täglich wechselnden Karte finden sich ausgefeilte Gerichte aus allen Regionen Italiens, wobei allerdings oft auf regionale Produkte (Fleisch von Hegauer Ochsen usf.) zurückgegriffen wird. Natürlich gibt es die Klassiker wie das hervorragende Vitello tonnato, aber auch unerwartet Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle, selbstverständlich mit den fantastischen kleinen umbrischen Berglinsen. Dabei überzeugt immer wieder die gelungene und oft ungewöhnliche Aromenkombination, egal ob es sich um Loup de mer – der Fisch immer perfekt zubereitet – mit Linsen und Kartoffel-Sauerampferpüree oder aber Crème brûlée mit Lavendel handelt, wozu Mango-Ananasragout und Mandelkrokanteis gereicht wird. Ein Genuss sind auch die frischen Pastagerichte, die etwa mit knackigen frischen Morcheln und grünem Spargel oder mit Rehragout und Apfelconfit zubereitet sind. Auch mit Fleischgerichten kann man praktisch keine Fehler machen. Hinzu kommt, dass man alleine wegen mancher Beilage vorbeikommen sollte: Ein kürzlich genossener Kartoffel-Trüffelstrudel – außen frisch knusprig und innen ausgewogen komponiert – erfüllte alle Kriterien einer Sterneküche. Nun gehört zu einem gelungenen Schlemmerabend natürlich nicht nur ein schönes Ambiente, den Gaumen und das Auge erfreuende Speisen und gute Weine, sondern auch ein umsorgender, professioneller Service. Hier wäre in der Cantina Rabajà – wie wir bei wiederholten Besuchen leider feststellen mussten – noch einiges zu verbessern. Nicht dass man unfreundlich wäre, keineswegs, aber bei der Qualität des Essens von Franz Wäschle gehört es eigentlich zu den Selbstverständlichkeiten, dass die aufgetragenen Gerichte kurz vorgestellt und die Bestandteile erläutert werden. Dies geschah höchstens bei einzelnen Gerichten und nur auf Nachfrage. Darüber hinaus kommt es besonders am späteren Abend vor, dass man sich die noch nicht geleerten Wein- oder Wasserflaschen selbst am zentral gelegenen Beistelltisch holen muss, um die Gläser nachzufüllen. Auch die Empfehlungen und Erklärungen zu den Weinen sind – gerade für ein Lokal mit Weinhandlung – äußerst dürftig und beschränken sich auf Kommentare wie „der ist eher rund und nicht eckig“. Aber lassen wir die Beckmesserei, denken wir lieber an das hervorragende Essen und freuen uns auf die nächsten Einfälle von Franz Wäschle.
Fazit: Gerade weil die Speisekarte täglich wechselt, lädt die Cantina Rabajà auch Ortsansässige zu wiederholtem Besuch ein.
Cantina Rabajà
Kreuzlinger Straße 7, D-78462 Konstanz, Tel. 07531 917 885, info@cantina-rabaja.de, www.cantina-rabaja.de
Geöffnet Mo. ab 18 Uhr, Di.-Sa. 10-14 Uhr, abends ab 17 Uhr, Ruhetag So.
Hauptgerichte 14-24 Euro, Menü 41-69 Euro mit Begleitwein 70-106 Euro
Text: Henry Gerlach
National – kulinarisch international
(CH – Winterthur) Verlässt man den Bahnhof in Winterthur, so geht man über die Hauptstraße direkt auf das National zu. „Bistro-Brasserie-Bodega“ schreiben sie sich dort auf die Fahnen. Was von außen fast wie eine Säulenhalle nach römischem Vorbild wirkt, entpuppt sich als ein sehr interessant gestaltetes kulinarisches Domizil mit Wintergarten.
Zweistöckig unterteilt, strahlt das National mit seinen hohen, stilvoll mit moderner Kunst gestalteten Räumlichkeiten und langen Theken ein besonderes internationales Flair aus und wirkt gleichzeitig gemütlich und urban. Der internationale Touch wird von der abwechslungsreichen Speisekarte mit mediterranen und regionalen Elementen bestätigt, bei der Liebhaber von Entrêcote de Paris, aber auch Vegetarier und Asia-Fans nicht zu kurz kommen. Die Fischqualität der Sashimi (Thon und Lachs) braucht den Vergleich mit einer guten Sushi-Bar nicht zu scheuen, interessant auch der asiatische Glasnudelsalat mit grünen Spargeln, die wohl teilweise etwas viel Zeit in der Sojasauce verbracht hatten. Auch mit einem Süppchen von regionalem Weißwein mit Trüffelschaum waren wir recht zufrieden, wenngleich uns die süße Sahnehaube aus dem Bläser, versetzt mit einigen Tropfen Trüffelöl, nicht ganz zur bodenständig säurebetonten Suppe passte. Bei den „Hausravioli mit Brassatofüllung auf Schalotten- Rotwein-Reduktion“ sahen wir hinsichtlich der Füllung, die eher wie dünn gemixte und passierte Leberwurst daherkam, noch Verbesserungspotential. Tadellos dagegen die auf den Punkt gegarten grünen Spargeln mit jungen Kartöffelchen und exzellentem Tösstaler Rohschinken, der allein einen Besuch im National wert ist. Dazu werden drei Saucen (nach Wunsch) gereicht: einmal Vinaigrette, einmal Mayonnaise und einmal Hollandaise. Wie die Hollandaise tatsächlich zubereitet wurde, bleibt uns bis heute ein Geheimnis: Obwohl der Konsistenz nach kein Convenience-Produkt, ließ sie den typischen Geschmack nach Butter, Eiern, Weinreduktion und Zitrone vermissen, was den positiven Gesamteindruck von den hervorragenden Spargeln und Schinken etwas trübte. Was für ein Lokal ab einer gewissen Größe vielleicht einen Nachteil bei der Zubereitung der Sauce Hollandaise darstellt, wirkt sich äußerst positiv auf das Weinangebot aus: Nahezu alle Weine von der umfangreichen Weinkarte sind auch als Dezi erhältlich. Wir degustierten einen feinsinnigen Dezaley vom Genfer See, einen temperamentvollen Grillo aus Sizilien und einen exorbitant guten Tropfen von Markowitsch (Österreich) und stellten fest, dass alle frisch geöffnet waren, was nur in Lokalen mit einem großen Weinumsatz möglich ist. Beim Dessert waren wir von dem angekündigten Grand-Marnier-Soufflé für 11 Franken recht enttäuscht. Einem reinrassigen Fertigprodukt wurde mit dem Obstentkerner ein Eckchen ausgestochen und mit einigen Tröpfchen Grand Marnier gefüllt, was nicht gerade von besonderer Kreativität der Pâtisserie zeugte. Der Servicemitarbeiter, der angenehm zurückhaltend, fix und professionell war, sorgte für den reibungslosen Ablauf des Abends.
Fazit: Stilvolles modernes Ambiente, das zum Verweilen und Genießen einlädt, Piano-Live-Musik und zeitgemäße Küche mit kreativen Elementen. Kleine Schwächen der Küche schmälerten etwas den durchaus positiven Eindruck von der Brasserie, die nichtsdestotrotz das In-Lokal von Winterthur zu sein scheint.
Bistro Brasserie Bodega National
Stadthausstr. 24, CH-8400 Winterthur, Tel. 0041 52 212 24 24, Fax 0041 52 209 09 24, info@national-winterthur.ch, www.national-winterthur.ch ,
geöffnet täglich 9 – 24 Uhr,
Hauptgerichte 19-38 SFr, Menü um 60 SFr, Lunch 15-20 SFr
Text: Gert Hoecherl


