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Gastro-Test Januar 2010
Landgasthof zum Adler
(D – Vogt) Lust, die reizvolle Landschaft im Übergang von Allgäu und Schussental zu erkunden? Dann bietet sich ein Ausflug nach Vogt an. Absoluter Blickfang dort: das direkt an der Hauptstraße gelegene, schmucke Fachwerkhaus, das den Landgasthof zum Adler beherbergt.
Beim Eintreten in das Gasthaus werden wir herzlich von einer Bedienung begrüßt, die – passend zum Ambiente – ein Dirndl trägt, und uns zu unserem Tisch in die „Schäfflerstube“ führt. Die ist liebevoll weihnachtlich dekoriert und strahlt urigen Charme, Gemütlichkeit, und genau das richtige Maß an Rustikalität aus: Niedrige Decken mit Holzbalken, ein Dielenboden aus Holz, einladende Holzbänke und unzählige Möbelstücke und Gegenstände, erinnern an längst vergangene Zeiten. Den Mittelpunkt bildet ein wärmender Kachelofen. Die Wirtseute Andreas und Nicole Humburg verwöhnen ihre Gäste mit schwäbisch-allgäuischen Spezialitäten. Als „Beliebte Schmankerl“ bieten sie Zwiebelrostbraten, Schwäbische Maultaschen und zahlreiche Fleischsorten vom Grill an. Deftige Käsespätzle konkurrieren unter anderem mit hausgemachten Maultaschen in Schnittlauchsoße und Allgäuer Käserösti um die Gunst der Vegetarier. Die Tageskarte mit Saisonalem wie Wildgerichten oder Fischspezialitäten wie Steinbuttfilet unter einer Kartoffelkruste mit feinem Lauch-Rahm-Gemüse ergänzen das umfangreiche Angebot. Wer’s lieber leicht mag, wird unter der Rubrik „Knackige Salate“ fündig. Für die Kleinen stehen beliebte Klassiker auf dem Speiseplan. Die Weinkarte bietet eine schöne Auswahl an deutschen, italienischen und französischen Weinen aus ausgesuchter Herkunft. Sehr positiv fallen die ausführlichen Informationen zu den Weingütern auf. Den kulinarischen Auftakt bestreitet die aufgeschäumte Kürbiscremesuppe, Ein cremiges und perfekt abgeschmecktes Gedicht. Von einer Spur aus Kürbiskernöl durchzogen, ist sie ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus. Der Hauptgang steht ihr in nichts nach: Das zart gebratene Schweinefilet wird auf frischen Rahmchampignons und – typisch schwäbisch – in viel sahniger und wohlschmeckender Soße mit einer Gemüseauswahl an Sauce Hollandaise und hausgemachten Spätzle serviert. Einfach lecker! Auch das „Wilderertöpfchen“ mit Semmelknödeln und Preiselbeeren, das stilgerecht in einem Pfännle aufgetischt wird, präsentiert sich optisch und geschmacklich von seiner besten Seite: Das Rehragout ist saftig, die Soße genau wie sie sein soll – würzig und kräftig. Nicht weniger begeistert uns der süße Abschluss. Die dreierlei Schokoladenparfait im Baumkuchenmantel, ansprechend angerichtet, mit Sahne, Früchten, Vanille- und Himbeersoße, sind jederzeit eine Sünde wert.
Fazit: Der Landgasthof zum Adler bietet eine schwäbisch-allgäuische Küche auf hohem Niveau und obendrein einen sehr zuvorkommenden Service. Ein Ausflug nach Vogt lohnt sich auf alle Fälle!
Landgasthof zum Adler
Ravensburger Str. 2, 88267 Vogt
Tel. +49 (07529) 912 212, Fax +49 (07529) 912 213,
www.vogter-adler.de
Täglich geöffnet, warme Küche 11.30 – 14.00 und 18.00 – 22.00 Uhr,
Sonn- und Feiertag: 17.30 – 22.00 Uhr
Hauptgerichte: ab 9 Euro
Mittagstisch: Mo. – Fr.: 6 Euro
Text: Bettina Haller
Restaurant Wasserschloss Hagenwil
(CH – Hagenwil bei Amriswil) Ein echtes Wasserschloss, dessen Kern noch aus dem 13. Jahrhundert stammt, ist eine Seltenheit, und das einzige in der Ostschweiz befindet sich in Hagenwil in der Nähe von Amriswil. Seit über 200 Jahren ist es – nach einer langen Zeit in der Hand des Klosters St. Gallen – im Besitz der Familie Angehrn, die in dem Schloss ein Restaurant betreibt.
Wer sich die Internetseite mit ihren schönen Fotos der verschiedenen Räumlichkeiten für Hochzeiten, Firmen- oder Vereinstreffen angeschaut hat, mag etwas überrascht sein, wenn er das „A la Carte-Restaurant im Biedermeier-Stil“ betritt. Denn kein Frackzwang-Tempel erwartet ihn, sondern ein gemütliche Stube im schweizertypischen Beizenstil. Hier wird man freundlich empfangen, und tagsüber steht die übliche Schale mit Nussgipfeli auf dem Tisch. Viele Gäste kommen aus der näheren Umgebung, man kennt sich und kommt gerne hierher. Doch die Frau- und Mannschaft um Küchenchef Enrico Kretschmar weiß durchaus auch anspruchsvolle Gaumenansprüche zu befriedigen. Auf der Karte finden sich neben dem obligatorischen Kalbsgeschnetzelten noch diverse eher gängig komponierte Gerichte wie „Rindsfiletwürfel Stroganoff mit Chnöpfli und Broccoli“ oder „Gebratenes Zanderfilet unter der Kräuterkruste mit Lauchnudeln an Hagenwiler Weissweinsauce“, aber auch das heutzutage eher selten anzutreffende Châteaubriand mit diversen Beilagen. Die Zutaten wie Fleisch und Gemüse werden hierbei fast ausschließlich aus Schweizer Produktion verwendet. Wir entschieden uns u. a. für das stets wechselnde 4-Gang Menü (63 SFr), das einen guten Querschnitt der Küche abzubilden vermag. Dabei muss festgehalten werden, dass die servierte Maiscremesuppe mit Koriander und das Dessert mit Süßmostcreme und Apfelsorbet durchaus wohlschmeckend waren, der irgendwie verarbeitete Koriander in der Suppe aber geschmacklich unauffindbar war und das Apfelsorbet es verdient hätte, ohne alles andere serviert zu werden. Auch das Dessert mit Maroniparfait war eher unauffällig. Sehr viel gelungener erschien uns der fein marinierte gemischte Salat mit geräuchertem Wildschweinschinken und Pilzen. Geradezu fabulös war das Hauptgericht. Die Serviettenknödel, die Selleriecreme und die leckere Sauce, von der es auf Nachfrage noch einen Humpen Nachschlag gab, schmeckten „nur“ sehr gut, aber die Hirschmedaillons mit Steinpilzen und Eierschwämmli waren ein Gedicht: Fleisch so zart, rotrosa und ohne den geringsten durchgebratenen äußeren „Trauerrand“ findet man selten. Kompliment! Dazu eine Weinauswahl aus mehr als 50 Positionen und sogar einem eigenen Hagenwiler Müller-Thurgau, der mit 18 Franken für den halben Liter geradezu als Schnäppchen durchgeht, rundeten den guten Gesamteindruck ab.
Fazit: Allein das Ambiente im Wasserschloss Hagenwil lohnt einen Besuch schon und die fleischlichen Genüsse der Küche allemal.
Wasserschloss Hagenwil
Schloss-Strasse 1, CH-8580 Amriswil, Hagenwil, Tel. 071 411 19 13, www.schloss-hagenwil.ch
Geöffnet: Montag, Donnerstag, Freitag, Samstag 10.00 – 24.00 Uhr, Dienstag 10.00 – 14.00 Uhr, Sonntag 9.00 – 22.00 Uhr
Text: Henry Gerlach
Ringhotel Schiff am See
(D – Konstanz) Seit Sommer 2007 leiten der mit 15 GaultMillau-Punkten ausgezeichnete Koch Henning Heise und seine Frau das altehrwürdige „Hotel Schiff am See“ am Hafen in Staad. Dem Anspruch meist gerecht werdend, wird hier auf hohem Niveau gekocht, auch wenn regelrechte Fauxpas nicht ausbleiben.
Doch der Reihe nach: Der Hauptspeiseraum ist das, was man als „gediegen und gemütlich“ bezeichnet. Kulinarisch gibt man sich modern-bodenständig. Henning Heise und sein Team stellen am liebsten alles selbst her, einschließlich des Brotes und selbst der Petits Fours. Die Speisekarte bietet verfeinerte gut-bürgerlich klingende Gerichte, von Tafelspitz mit Wurzelgemüse bis zu Rehnüsschen mit Rotkohl. Die ziemlich umfangreiche Weinkarte mit für ein solches Restaurant sehr moderaten Preisen wird im Februar 2010 komplett umgestellt, daher enthalten wir uns eines Urteils darüber. Zum Essen entschieden wir uns für das 7-gängige „Bürger-Menü“ – man liebt offensichtlich das Understatement! Schon das Amuse Gueule ist ein Augen- und Gaumenvergnügen. Das präsentierte Micro-Menü setzt sich zusammen aus Bio-Rostbratwurst auf Sauerkraut, einem feinen Raviolo, Matjes auf Kartoffelsalat und Campari-Orange-Soufflé. Jede Gabel ein kleines Gericht! Weiter geht es mit Jakobsmuscheln auf Sauerrahmsauce – sehr delikat, auch wenn die Sauce den Geschmack ein wenig zu sehr dominiert. Anschließend eine nur leicht über den idealen Garpunkt geratene Tranche von Steinbutt mit Lauch und einer himmlischen Rotweinbuttersauce. Überhaupt sind Heises Saucen allemal die 15 Punkte wert, nur gibt es leider kein Weißbrot, um sie aufzutunken. Als Zwischengang war dann ein „Passionsfruchtsorbet mit Champagner“ vorgesehen. Stattdessen wurde Meloneneis gereicht, mit – nein, ohne Champagner. „Der kostet extra!“ Unser Hinweis auf die vorliegende Speisekarte blieb erfolglos. „Auf unserer Karte an der Theke steht: Nur gegen Aufpreis.“ Verdutzt verzichteten wir auf den aufpreisigen Champagner und verzehrten das nun eher mäßig mundende Eis. Der Rest ist schnell erzählt: Der folgende bretonische Milchlammrücken mit vorzüglichem Kartoffelgratin war geschmacklich eine Wucht, auch wenn das Mittelstück praktisch roh und noch zäh war. Übrigens blieb auch dieser Hinweis ohne jedwede Reaktion seitens der Küche. Die anschließende Käseauswahl beruhigte unsere Nerven, und spätestens beim phantastischen Vanille-Soufflé mit Honigeis und heißen Beeren sowie geradezu künstlerischen Schokoladenkreationen stellte sich die gute Laune wieder ein. Fazit: Das „Schiff am See“ hat das Zeug, zu einem der besten Restaurants in und um Konstanz zu werden, und das alles zu annehmbaren Preisen. Dazu sollte man allerdings noch an seinem Service arbeiten und auf Reaktionen der Gäste eingehen.
Ringhotel Schiff am See
William-Graf-Platz 2, D-78464 Konstanz, Tel. 07531 34424, Fax 07531 31981, info@ringhotel-schiff.de, http://www.ringhotel-schiff.de
Restaurant geöffnet 12.00 – 14.00, 18.00 – 24.00 Uhr
Hauptgerichte 18 – 29 Euro, Menüs 19 – 68 Euro
Text: Henry Gerlach


