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Gastro-Test Juli 2009
Gasthof zum Hirschen
(CH – Oberstammheim) Der Landstrich zwischen Frauenfeld und Stein am Rhein beheimatet die nördlichste und mit 36 Hektar zugleich größte zusammenhängende Rebfläche des Zürcher Weinlandes. Die Weine sind kaum überregional bekannt, aber gut, deshalb wollen wir auch den hiesigen gastronomischen „Platzhirsch“ kennenlernen, den Hirschen in Oberstammheim, der an der Landstraße zwischen Frauenfeld und Diessenhofen liegt.
Das 1684 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Riegelhaus ist stilvoll renoviert und beherbergt historische Speisesäle und Zimmer, die mehrheitlich auf Weinberge blicken. Auch der gepflegte Garten lädt an warmen Tagen zum Verweilen ein. Froh am Sonntag noch ein Plätzchen draußen zu ergattern, bestellen wir einmal das dreigängige Tagesmenü und einige Gerichte à la carte. Die Menüvorspeise, ein „Salat mit jungem Spinat und zwei frischen Wachteleiern“, wirkt etwas minimalistisch und schmeckt dezent zurückhaltend. Der „Joghurtterrine mit frühlingshaftem Kräuter-Blütensalat an Honig-Vinaigrette und marinierten Spargeln“ sind zwar die Blüten ausgegangen, die Terrine selbst hat aber eine prima Konsistenz und ist trotz des jungen Knoblauchs und der Ziegenmilch, die sie wohl enthält, subtil abgeschmeckt. Zudem wird sie hervorragend vom frisch gestochenen Stammheimer Grünspargel ergänzt. Den gibt es auch zum Menühauptgang, einem Kalbsbraten vom Carréstück, geschnitten in glasig-rosa Tranchen, an feiner Sauce mit riesigen frischen Morcheln und etwas breiten hausgemachten Tagliatelle. Der „Hamburger vom Unterstammheimer Natura Beef mit hausgemachtem Ketchup“, dazu Serviettenknödel und betörend nach Kardamon und anderen levantinischen Gewürzen duftendem Gemüse, verrät, dass der neue Küchenchef Mirco Schumacher sein Metier in Schweizer Top-Restaurants erlernt hat, u.a. in Arbon bei Martin Surbeck, zuletzt war er Küchenchef im Biohotel Wartegg am Rorschacherberg, und seit April 2008 ist er hier. Dazu probieren wir einen rassigen Räuschling (eine alte Traubensorte) von Ruedi & Käthi Frei aus Unterstammeim und einen etwas eigenwilligen, aber charaktervollen Oberstammheimer Rosé von Marlis & Hans Glesti. Für den Barolo „Rocche dell’Annunziata“ von Rocche Costamagna, den es auf der durchaus interessanten Weinkarte für 78 SFr gegeben hätte, war es uns mittags schlichtweg zu früh und zu heiß. Beim Dessert zeigt die Küche nochmals richtig, was sie zu leisten vermag: Ein Beerentraum mit frischen Erdbeeren und hervorragendem hausgemachtem Sauerrahmeis und ein lauwarmer Schokokuchen mit Haselnüssen und Ei (ganz ohne Mehl) mit einem superben Vanilleparfait auf Rhabarberkompott sind geschmacklich kaum zu übertreffen. Der freundliche Service wäre ein weiterer Grund, hier wieder einzukehren.
Fazit: Historisches Ambiente, handwerklich hohes Niveau der angebotenen Speisen, tolle kulinarische Einfälle und sehr gute regionale Produkte. Petra und Mirco Schumacher lenken bestens die Geschicke des alten ehrwürdigen Hauses.
Gasthof zum Hirschen
Steiggasse 4, CH-8477 Oberstammheim
Tel. 0041 (0)52 745 11 24, Fax (0)52 740 28 12, www.hirschenstammheim.ch
geöffnet Mi.-Sa. 9-24 Uhr, So. 9-21 Uhr, nachmittags kleine Karte, Ruhetage Mo. u. Di.
Hauptgerichte 24-52 SFr, Mittagsmenü 46-59 SFr, Menü 78-104 SFr, mit Weinbegleitung 110-150 SFr
Sommerferien 2009: 27. Juli – 11. August
Text: Gert Hoecherl
Reichenauer Fischhandlung (Delikatessen vom See)
(D – Reichenau) Die von der UNESCO im Jahr 2000 mit dem Prädikat Weltkulturerbe „geadelte“ Insel Reichenau blickt auf eine über 1300-jährige Siedlungsgeschichte zurück. Sie ist eine Kulturlandschaft, die Zeugnis von der religiösen und kulturellen Rolle des großen Benediktinerklosters im Mittelalter ablegt. Mit einer langen Tradition kann auch die Familie Riebel aufwarten, die seit vielen Generationen auf der Insel eine Fischerei betreibt. Bei ihrem Laden betreiben die Riebels seit einigen Jahren auch eine kleine „Beiz“.
Der Service ist flink und bewirtet auch die Gäste schräg vis-à-vis von der „Fischereibeiz“ auf der anderen Straßenseite. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, ob auf der Straße oder direkt in der Beiz. All zu lange wird nicht verweilt. Den Gästen geht es in der Regel darum, schnell und gut zu speisen. Für Fischliebhaber ist diese Adresse zu Pflicht geworden. Feinschmecker fangfrischer Bodenseefische wie Felchen, Hecht, Kretzer, Zander, Äsche, Karpfen, Schleie, Aal, Forelle und Saiblinge kommen wirklich ganz und auf ihre Kosten. Die pikante Fischsuppe hält, was sie verspricht, sie ist ein richtiger appetitanregender Gaumenkitzel. Ob Fischsülze oder Kräutermatjes mit feinem Reichenauer Salat oder für den kleinen Hunger ein Reichenauer Fischbrot, es sieht frisch aus, man hat reichlich auf dem Teller und das beste natürlich: Es schmeckt vorzüglich. Die Familie Riebel versteht nicht nur das Fischereihandwerk. Auch die Veredelung der Fische, als Räucherfilet, Fischsülze, gebeizt oder als gebratener Fisch auf dem Teller endet bei einem munteren Geschmackerlebnis. Gerade bei der „Fischplatte nach Riebels Art“ oder bei einem Filet von Zander, Saibling oder Kretzer und Beilagen nach Wahl hat man irgendwie das Gefühl, der Fisch landet wirklich fangfrisch auf dem Teller. Nur beim Gemüse kann man das leider nicht feststellen, was meine Euphorie etwas einschränkt. Die Insel ist schließlich auch die „Gemüseinsel“, und an jeder Ecke kann Gemüse frisch ohne den Zwischenstopp im Tiefkühler erworben werden. Man sagt, der Fisch muss schwimmen, darum steht auch gleich der passende Reichenauer Wein im Regal, der selbst geholt werden muss, bezahlt wird an der Kasse. Das Angebot reicht von Müller-Thurgau, Gutedel, Grauburgunder bis Spätburgunder rosé oder rot.
Fazit: An einem solchen Ort wartet man als Einheimischer nicht lange auf bekannte Gesichter, und natürlich wird irgendwie zusammengerückt auf den Bierbänken in der Beiz. Es herrscht hier ein bisschen der Flair vom alljährlichen Reichenauer Wein- und Fischerfest.
Reichenauer Fischhandlung (Delikatessen vom See)
Inhaber: Stefan Riebel, Seestraße 13, 78479 Insel Reichenau, Tel. 07534 7663, Fax 1557, info@reichenauer-fischhhandlung.de, www.reichenauer-fischhandlung.de
„Fischereibeiz“ geöffnet ab Ostern bis Oktober täglich 11.00 – 19.00 Uhr,
Hauptgerichte 8 – 14 Euro
Text: Eugen Bücheler


