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Gastro-Test Februar 2009
Hotel Restaurant Zum Adler
(D – Stockach-Wahlwies) In der Provinz gilt es manchmal noch, der Spruch von der Redlichkeit, die am längsten währt. Redlich und reichlich, gut und freundlich, so geht es im Adler zu. Seit 1664 steht der gemütliche Landgasthof mit Hotel mitten in Wahlwies im Tal der Stockacher Aach. Kommt man zur Weihnachtszeit, dann stehen zwei nebeneinander schön geschmückte Christbäume in den niedrigen guten Stuben.
Dass im Adler selbst unter Woche abends oft kein Platz mehr frei ist, liegt wohl daran, dass im Adler sowohl die gute alte Küche aus Omas Zeiten gekocht wird, als auch Inspirationen der mediterranen Küche ausgelebt werden. Die Küche startet an diesem Abend in der Weihnachtszeit tadellos mit einem Rehpaté an Birnenchutney und einen kleinen Salat. Selbst die gewöhnliche Rinderkraftbrühe mit Einlage lässt keine Langeweile aufkommen. Bei den „hausgemachten Rehbratwürstchen auf getrüffelten Pastinaken mit Kartoffelkrapfen“ wurden meine Geschmacksnerven nicht sonderlich strapaziert – getrüffelt wurde mit einem getünchten Öl, eben einem Öl, das von Trüffel kaum einen Geschmack hat, und die Krapfen schmeckten einfach langweilig. Für den Hauptgang haben wir uns für das „Gute aus Omas Küche“ begeistern lassen. Die „hausgemachte Ochsenzunge an Gravensteiner-Weinsauce mit Butterrotkraut und Semmelknödeln“ und die „hausgemachte Wirsingroulade mit Wildbrätfüllung mit Marktgemüse und Semmelknödeln“ hörte sich nach Überraschung an. Aber Spektakuläres hat uns leider nicht erwartet: Weder wurde mit mediterranen Aromen gespielt noch anders ideenreich kombiniert. Bei dem Wort „Marktgemüse“ werde ich in der Regel schon etwas hellhörig. Und ich wurde tatsächlich nicht überrascht – obgleich der Markt auch im Winter abwechslungsreiches Gemüse zu bieten hat – durfte ich mich mit „weiß grün“ begnügen: Mein Gaumenglück wurde mit Allerweltsblumenkohl und Broccoli sehr getrübt. Freudigerweise hat das hausgemachte Lebkuchenparfait auf zweierlei Saucen mit auseingelegten Mirabellen meinen Gaumen wieder besänftigt. Auf der Weinkarte finden sich viele gute Franzosen und schöne Offerten aus den umliegenden Anbaugebieten am Bodensee.
Fazit: Hier wird gut gekocht, und gelegentlich kann man auch Spektakuläres erwarten. Das eher konservative Stammklientel isst, was es kennt und liebt, und Jürgen Veeser honoriert dies auch vorzüglich.
Hotel Restaurant Zum Adler
Leonhardstraße 29, D-78333 Stockach-Wahlwies, Tel. 07771 3527, Fax 920 012,
adler-wahlwies@t-online.de
geöffnet Mi.-So. 11.30-14.00 Uhr, 17.00-24.00 Uhr, Küche mittags bis 13.30 Uhr und abends bis 22.00 Uhr, Ruhetag Mo. und Di. bis 17.00 Uhr
Hauptgerichte 8 – 25 Euro, Menü 42,50 Euro
Text: Eugen Bücheler
Gasthaus Engel
(D – Überlingen) Der „Engel“ liegt nur eine Häuserzeile weg von einer der schönsten Uferpromenaden am Bodensee, die selbst an sonnigen Wintertagen viele Besucher anlockt. Nach der Neueröffnung vor drei Jahren hatte Sebastian Maier mit einer neuen, äußerst geschmackvollen Inneneinrichtung Schwung ins alte Gemäuer gebracht und neue Akzente in die gutbürgerlich geprägte Gastroszene von Überlingen gesetzt.
Die Speisekarte ist im Vergleich zum Sommer vorletzten Jahres etwas kleiner geworden, gerade den internationalen Touch vermissen wir ein wenig. Deshalb wählen wir die exotischste aller Einstiegsmöglichkeiten: eine Hähnchen-Limettenroulade mit süß-saurem Dip. Die von dünnem Knusperteig umhüllten zarten Hähnchenbruststücke sind auf einem kleinen Salatbouquet angerichtet, dazu wird ein leckerer Balsamico-Soja-Dip mit frisch gehackten Schalotten gereicht. Etwas befremdend: Das Dip gleicht mengenmäßig eher einer Suppenportion, die selbst diese Riesenrolle niemals auch teilweise aufnehmen kann. Als Kontrast eine herzhafte badische Kartoffelsuppe nach Oma-Art, mit Mehlschwitze stark gebunden und bodenständig gewürzt. Etwas unpraktisch: die schmackhaften, kross gebratenen und halb in die Suppe gelegten Speckscheiben, die sich unmöglich mit einem Suppenlöffel zerteilen lassen. Für sonnig-wonnige Momente sorgt der Weiße Burgunder Bechtheimer Geyersberg Spätlese vom Weingut Scultetus-Brüssel aus dem Wonnegau im südlichen Rheinhessen – es müssen ja nicht immer Bodenseeweine sein, die es hier freilich auch gibt. Ein offener Bio-Rotwein aus der Region La Mancha (Spanien) mundet auch ganz gut. Der Service ist nett, und die Gerichte kommen schnell, fast zu schnell auf den Tisch. Ist deshalb die Küchenleistung am heutigen Tage etwas grobschlächtig und wenig inspiriert? Ein ordentliches, großzügig portioniertes Zanderfilet auf Spänen von frisch gedünstetem Mischgemüse und einer klassischen, dezent gewürzten Weißweinsauce gefällt uns noch recht gut. Vom Zwiebelrostbraten, angeblich einer Spezialität des Hauses, sind wir aber ziemlich enttäuscht. Das qualitativ gute, etwas mürbe und korrekt gebratene Fleisch und die an sich handwerklich gut gemachten, jedoch nicht mit Butter in der Pfanne geschwenkten, sondern zeitsparend unter der Oberhitze des Salamander-Ofens warm gemachten Spätzle ertrinken unter einem Berg von bis zur Bitterkeit verbrannten Zwiebeln in der dunklen Sauce. Schade! Der „Schokotraum“, ein zartschmelzender Schokoladenkuchen mit flüssigem Herz, schmeckt uns ausgezeichnet wie beim letzten Besuch, beim Vanilleeis gibt es hingegen noch Verfeinerungsspotential. Wunderbar aufgeschäumt, rund und kräftig im Geschmack ist der Espresso Macchiato, zubereitet mit Kaffee von der Ulmer Kaffeerösterei Seeberger – man ist ja schließlich Mitglied bei „Schmeck den Süden“, was gute regionale Produkte garantiert.
Fazit: Wir haben schon hier wahrhaft gut auf 5-Löffel-Niveau gegessen. Deshalb vergeben wir heute noch vier, verbunden mit dem festen Glauben, dass dem Engel im Sommer wieder Flügel wachsen.
Gasthaus Engel
Hafenstraße 1, 88662 Überlingen
Tel. 07551 937 397, Fax 937 512, www.engelueberlingen.de
Winteröffnungszeiten: Küche täglich 18.00 – 22.00 Uhr, Sa./So. auch 12.00 – 14.00 Uhr
Hauptgerichte 9 – 19 Euro
Text: Gert Höcherl


