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Gastro-Test November 2009

Restaurant El Barco

Restaurant El Barco

(CH – Schaffhausen) Das ehemalige Restaurant Schiff in der schönen Unterstadt Schaffhausens mit ihrem mediterranen Flair ist seit kurzem in spanischer Hand und wurde somit kurzerhand natürlich auch in „El Barco“ umgetauft. Grund genug für uns, mal reinzuschnuppern.

In Sichtweite zur Rhein-Schiffslände und sozusagen im Fahrwasser des Meeting Spots „Güterhof“ liegt das Barco-Schiff in gut frequentierter Lage und hat seine Freiterrasse gar auf die andere Fußgängerzonenseite ausgedehnt. Wir werden in bester spanischer Gastfreundschaftstradition vom „Jefe“ empfangen und auch gleich mit einem Gruß aus der Küche in Form von leckeren kleinen Oliven mit tollem Schweizer Vollkornbrot verwöhnt. Schön finden wir, dass vom traditionellen spanische Pan blanco abgesehen wird und das gesunde Vollkorn aufgetischt wird. Wir haben jetzt die Wahl zwischen Tapas und regionalen und auch saisonalen Schweizer Gerichten der Bord-Küche. Ich bestelle einen unspektakulären Rucolasalat mit Parmesanspänen – manchmal ist das Einfache schon exquisit. Meine Begleitung bestellt Rape a la Plancha – Seefeufel vom Grill, der schön kross angebraten ist mit frischen Kräutern, allerdings in Anbetracht der weichlichen Konsistenz wohl etwas zu lange in der Pfanne verblieben ist. Die zart im Mund schmelzenden Frühkartoffeln wiederum rufen Begeisterung hervor und sind a point. Der dazu von der aufmerksamen und freundlichen Bedienung empfohlene italienische Chardonnay Grave del Friuli DOC passt vortrefflich und war die richtige Wahl. Die Weinkarte ist im übrigen eher international gehalten. Die bestellten Tallarines con setas (sozusagen verspanischte Tagliatelle) kommen mit riesigen frischen, sautierten Steinpilzen an – ein Gaumenkitzler. Die eingedickte Bratensauce dabei ist jedoch etwas einfallslos. Uns entschädigt dafür zum Abschluss der ultimative Vitamin-Frischekick in Form einer „Ensalada de naranja con moscatel“ (Orangensalat mit Moscatel-Wein angemacht), die ein himmlisches Muskatbukett verströmt. Das haben die Südländer uns eindeutig voraus, dass sie zum Abschluss gerne noch ein Obst hinterherschieben statt einer Kalorienbombe.
Fazit: Wer in spanisches Ambiente am Rhein eintauchen und einen schönen Abend einläuten will, ist hier richtig, braucht aber auch einen leicht gehobenen Geldbeutel. Der Mittagstisch ist ebenso zu empfehlen. Wie sagen’s die Spanier so schön: Que aproveche! – guten Appetit. Wir sagen „lecker“!

Restaurant El Barco
Freier Platz 6, CH-8200 Schaffhausen, Tel. 052 620 15 80, Fax 052 62015 90, , www.elbarco.ch
Geöffnet: Montag – Sonntag 9 – 24 Uhr.
Hauptgerichte 28 – 44 SFr

Text: Christine Haus

Restaurant Löwen

Restaurant Löwen

(CH-Affeltrangen) Auf der Straße zwischen dem Wein-Culinarium Weinfelden und dem reizvollen, auch gastronomisch interessanten Wil gäbe es angeblich nicht allzuviele gastronomische Highlights. Guide Bleu lobt hingegen die Küche des Löwens, der etwa 8 Kilometer vor Wil an genau dieser Straße liegt, ganz besonders. Für uns Grund genug, mal wieder auf Entdeckungsreise zu gehen.

Wir kommen an einem Freitag Mittag kurz nach Zwölfe in ein außergewöhnlich gut besuchtes Restaurant. In der Gaststube ist nur ein enges kleines Tischchen frei, an das uns eine geschäftige Serviertochter dirigiert, obwohl wir auf dem Weg zur feinen Stube sind, wo nur ein Tisch belegt ist. Das hat wohl seinen Grund: Die Speisenauswahl ist mittags bewusst klein gehalten, drei Menüs mit Tagessuppe, Fleisch oder fleischlos (heute: Fisch) und genauso vielen Tagestellern. Sonst gäbe es nix. Nach einigen Minuten merkt die Chefin, dass wir trotz der übersichtlichen Karte unentschlossen sind und wirft ein dreigängiges Business-Menü in den Ring, das sich gut anhört: Vitello Tonnato, Cappuccino vom Heusüppchen, Dorade mit Tomatenwürfeln in der Folie gegart, dazu Rosmarinkartoffeln. Parallel dazu probieren wir die Tagessuppe, ein Champignoncremesüppchen, und den „Rolls Royce“ der Tageskarte, fein geschichtete Tranchen vom Rinderfilet, dazwischen mediterranes Gemüse und feine Jus. Wahrend das Champignonsüppchen gehaltvoll und solide wirkt, kommt das Vitello aufgrund der sehr guten Fleischqualität ambitionierter daher. Nur das Salatbouquet dazu hat zu wenig Dressing abbekommen, was vielleicht auch gut ist, da das Dressing zu sehr vom Balsamicogeschmack dominiert wird. Das Heusüppchen, optisch ein Augenschmaus, wird wie ein Latte macchiato im Glas und mit einem Langstiellöffel präsentiert, hat aber auch einen eher milchigen Geschmack. Schön und gelungen ist das Brotcrostino mit Rohschinken dazu. Das Doradenfilet in der Folie ist an manchen Stellen noch halbroh, die Tomatenwürfel sind lecker, die Kartoffeln dazu Spitze. Die zarten Tranchen vom rosa gebratenen Rinderfilet und das gut gekräuterte Sommergemüse lassen vermuten, was für ein Potential die Küche hat. Neben der großen Auswahl von Flaschenweinen (auch eine gesonderte Karte mit österreichischen Bouteillen), die wir mittags natürlich nicht degustieren können, winkt eine Selektion von etwa zehn Weinen, die auch glasweise ausgeschenkt werden. Ein Federweißer aus Affeltrangen kann nicht überzeugen, ein grüner Veltliner von Ott, Empfehlung der Chefin, gefällt uns trotz seiner überbordender Aromafülle gut. Als „Starter“ ist er aber nicht wirklich geeignet. Der rote Châteauneuf-du-Pape, Jahrgang 1991 (9,90 SFr für ein Dezi), oxidiert binnen weniger Minuten im Glas. Ein zweiter Versuch mit einer anderen Flasche desselben Jahrgangs scheitert genauso. Alternativ hätte es einen anderen Châteauneuf-du-Pape von Chapoutier gegeben, wurde aber trotz minimaler Flaschenpreisdifferenz nicht offeriert. Der Espresso zum Abschluss schmeckt.
Fazit: Mittags ist man hier ganz auf Business-Lunch in hoher Taktfrequenz eingestellt. Kommt abends der richtige Genuss?

Restaurant Löwen
Märwillerstrasse 1, CH-9556 Affeltrangen, Tel. 071 917 14 25, Fax 071 917 22 05, www.gasthausloewen.ch
geöffnet Mi.-Fr.11.30-14 Uhr, 17 – ca. 24 Uhr, Sa. 9 – ca. 24 Uhr, So. 10 – ca. 22 Uhr, Ruhetage Mo. und Di.
Hauptgerichte 16-52 SFr, Mittagsmenü 20-42 SFr, Menü 55-79 SFr

Text: Gert Hoecherl