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Gastro-Test September 2009

Aglio & Olio

Aglio & Olio

(CH – Kreuzlingen) Im Raum Konstanz/Kreuzlingen gehört „Aglio & Olio“ zu den festen Werten, wenn es um gute Weine und Produkte, sowie um Cucina Italiana geht. Gutes hört man auch vom neuen gleichnamigen Restaurant der Familie di Gallo im appenzellischen Speicher. Noch ein Grund, im altbewährten Kreuzlinger „Knoblauch & Öl“ (knapp 50 Meter vom Kreisel am Bahnhof Richtung Zürich) vorbeizuschauen.

An zwei verregneten Sommerabenden sitzen wir am selben Tisch mit Blick auf die Schauküche und das Meereswasseraquarium und bewundern das sichere Hantieren der Köche und das Treiben der bunten Fische. Er war am ersten Abend zwar nicht unser Wunschtisch gewesen, da wir gerne an der offenen Glaswand unweit vom Brunnen im Innenhof gesessen hätten – die Bedienung hat aber unseren Wunsch schlichtweg überhört, ist weitergezogen und hat uns vor dem kleinen unaufgeräumten Tisch stehen lassen. Lag es an den vielen temperamentvollen Stammgästen oder an dem schön für vier Personen gedeckten Tisch, der ihr zu schade für uns zwei war, jedoch den ganzen Abend frei blieb? Beim zweiten Besuch setzten wir uns freiwillig an unseren „Stammplatz“, der Lärmpegel war zwar wieder hoch, aber der Service – diesmal mit zwei flinken Damen mehr besetzt, war charmant und sehr professionell. Geschmeckt hat uns an beiden Abenden recht gut – das Bärlauchcremesüppchen (Crema aglio orsino) war sämig und mit aromatischen frischen Kräutern versetzt, der „Saiblingstartar auf krossem Röstitaler und Gurkencarpaccio mit dezenter Honigsenfsauce“ war leider etwas zu lange oder zu stark gebeizt. Bei den Gnocchi waren die Artischocken zwar gut eingelegt, aber nicht frisch, und der Parmaschinken kam in der Sahnesauce auch nicht gerade vorteilhaft zur Geltung. Geschmacklich viel besser waren die hausgemachten Pappardelle, ebenso mit guten eingelegten Steinpilzen und frischen Tomatenstückchen in Sahnesauce. Ausgezeichnet waren die „Rotbarben nach sizilianischer Art auf leckerem Minzrisotto und hervorragenden gartenfrischen jungen Kefen“ (Zuckererbsenschoten). Beim Kalbssteak überzeugte vor allem die phantastische Fleischqualität, die hausgemachten Tagliatelle der Beilage pappten ohne die Sauce, die als dünner Jusstreifen nur den Tellerrand zierte, etwas zusammen. Der junge Blattspinat war unglücklicherweise so versalzen, dass man Stunden danach noch einen pelzigen Gaumen hatte. Innovativ und delikat war die riesige Pizza „Carpaccio“ – mit Rucola, Mozzarella, Parmesan, frischem Basilikum und feinen Scheiben von gutem Rindscarpaccio. Die vom Weinspectator regelmäßig ausgezeichnete Weinkarte weist unzählige Posten auf, sodass der Service nach der Nummer in der Karte fragen muss. Wir waren mit einem Roero Arneis von Vietti (Piemont) und einem Pino Griggio von Jerman (Friaul) sehr glücklich. Der viel gelobte Terre Brune aus Sardinien (Santadi), den wir als halbe Flasche bekamen, hat uns auch ordentlich geschmeckt.
Fazit: Wer einen bunten, lebhaften Mix aus In-Lokal und italienischem Flair mag, ist im Aglio & Olio gut aufgehoben. Ebenso Weinkenner, die unter anderem halbe Flaschen namhafter französischer und österreichischer Erzeuger zu gutem italienischem Essen genießen möchten.

Aglio & Olio
CH-8280 Kreuzlingen, Konstanzerstrasse 34, Tel. 0041 (0)71 677 40 41, Fax 071 677 40 49, , www.aglioeolio.ch
geöffnet Di.-Fr. 9-24 Uhr, Sa. ab 17.30 Uhr, Küche 11.30-14 Uhr und 17.30-22 Uhr, Pizza auch nach 22 Uhr, Ruhetage So. u. Mo.
Hauptgerichte 20-45 SFr, Menü 75 SFr

Text: Gert Hoecherl

Blauer Affe

Blauer Affe

(D – Bodman-Ludwigshafen) Der Titel bezieht sich nicht auf einen exotischen Sommernachtscocktail, so heißen die ehemaligen „Schifferstuben“ neben der Segelschule in Ludwigshafen. Michael Noll, bekannt vom „Forsthaus Spittelsberg“ als Gourmetkoch, entschloss sich vor gut drei Jahren, zukünftig ganz auf den „Blauen Affen“ zu setzen.

Das Interieur ist angenehm modern und schlicht gehalten. Die Speisekarte ist gewissermaßen zweigeteilt: Mittags liegt der Schwerpunkt eher auf preiswerten Tagesempfehlungen und gutbürgerlichen Gerichten, die wir auch schon mal goutiert haben – abends gewinnen die mediterrane und die feinbürgerliche Linie etwas an Oberhand, gelegentlich gibt es Menüs. Noll ist Einzelkämpfer hinter dem Herd und kocht nach Marktlage, deshalb kann es passieren, dass manches schon mal ausgeht. Heute gibt es beispielsweise statt der Tomatencremesuppe eine Bärlauchsuppe, wohlschmeckend, aber für den Sommer doch recht gehaltvoll mit viel Sahne zubereitet. Frische Petersilie konnten wir darin gut erkennen, der Bärlauch war wohl, saisonal bedingt, gefroren oder gut eingelegt. Von dem lauwarmen Meeresfrüchtesalat, eigentlich als Hauptgericht auf der Karte vorgesehen, nehmen wir eine kleine Portion, die sich wie die Portionen bei den Hauptgängen als viel zu groß erweist. Von diesem Meeresfrüchtesalat schwärmen wir noch Tage später: Feine gegrillte Auberginen, Paprika und Zwiebeln, in bestem Olivenöl geschwenkt und mit Zitronenschnitzen gereicht, lagen unter einem mediterranen Potpourri aus Muscheln, Garnelen und Babypolpo, alle frisch-knackig, glasig-glänzend und äußerst gefühlvoll behandelt. Ein richtiges Sommergericht! Ebenso die besten Stückchen vom hervorragenden jungen Bodenseeweidelamm, appetitlich-rosa und zart, mit gutem hausgemachtem Tsatsiki und etwas laschen und teilweise zu dunklen Rosmarinkartoffeln. Bei der Tagesempfehlung, einem Rinderfilet mit heimischen Pfifferlingen und Kartoffelpuffer, überzeugten vor allem die leicht mit Speck geschwenkten Pfifferlinge, die man selten so gut bekommt. Das etwas fasrige Rindfleisch unter Lavendelkräuterkruste war tadellos zubereitet, die Kartoffelpuffer nach Rösti-Art (drei Stück!) waren schön in Butterschmalz gebraten, der aber etwas heftig zu den filigranen, jungen Pfifferlingen daherkam. Weinkarte gibt es keine, der freundliche Ober empfiehlt jedoch durchaus leckere Tröpfchen, wie z. B. einen spanischen Rosado Enate oder einen Riesling von P. J. Kühn, oder einen Spätburgunder von Geiger, die nachher mit wirklich moderaten Preisen auf der Rechnung auftauchten. Ein Dessert war mengenmäßig eigentlich nicht mehr drin, aber die Versuchung war zu groß: Ein vorzügliches Lavendeleis auf einem Berg von in Grapefruitöl und Grand Marnier marinierten exotischen Früchten konnte man einfach nicht stehen lassen …
Fazit: Für starke Esser, die große Portionen, Michael Nolls eigenwilligen Stil mit teilweise genialen Momenten zu schätzen wissen, ist der „Blaue Affe“ dringend zu empfehlen. Den anderen raten wir zu „Probierportionen“. Liebenswürdiger Service.

Blauer Affe
Sernatingerstraße 16, D-78351 Bodman-Ludwigshafen, Tel. 07773 938373,
geöffnet täglich 11 – 14 und ab 17 Uhr, Oktober – März: Mo. Ruhetag
Hauptgerichte 8-19 Euro, Menüs 24-30 Euro, Mittagsmenü 7-11 Euro

Text: Gert Hoecherl