Aktuell
... jeden Monat frisch aus der seezunge-Redaktion des akzent.
Gastro-Test Oktober 2009
Restaurant Papageno
(D – Konstanz) In fußläufiger Entfernung zur Schweizer Grenze und zur Altstadt liegt das Restaurant „Papageno“ von Johann Kraxner. An dieser Adresse wird schon lange Mediterran gekocht: Vor vielen Jahren war hier eine gute und preiswerte griechische Küche zu Hause, und vor nicht allzu langer Zeit gab es italienische Küche. Nun darf man sich auf eine kuliviert französische Küche freuen.
Seit vielen Jahren hält Johann Kraxner, ob als Küchenchef im Seehotel Siber oder jetzt im Papageno die Fahne der französischen Gourmandise hoch. Seit fast zwei Jahren ist das „Papageno“ im Herzen von Konstanz ein Hort der Gastlichkeit mit Beständigkeit in der Küche. Im Gault Millau 2009 wurde Johann Kraxner dafür mit 14 Punkten belohnt. „Wer nicht genießt, ist ungenießbar“, sagt ein geflügeltes Wort aus einem Lied von Konstantin Wecker. Wir stimmen voll zu und haben genossen … Der köstlichen Miniportion garnelengefüllter Ravioli als Amuse bouche folgten ein erlesener „Sommersalat an Sherryessigvinaigrette mit Gartenkräutern und Sprossen“. Hervorzuheben ist vor allem die aufgeschlagene „Hühner-Kokosschaumsuppe mit Chiliöl und Hähnchenbrustsate“. Kraxner beweist mit diesem Gericht einmal mehr sein unfehlbares Gespür für die Eigendynamik und die Mariagen der Geschmacksnoten. Einen leichten Schwächeanfall, gerade bei der Zubereitung für den Hauptgang des vegetarischen Menüs der „Penne regate mit frischen Waldpfifferlingen, Tomaten und Lauch“ ist auf jeden Fall verzeihlich – es fehlte einfach der gewohnte Pfiff. Mehr als kompensiert wurde der Anfall sofort wieder mit einem „bretonischen Steinbutt mit Olivenöl mariniert an feinem Kräuter-Pfifferlingssalat“. Vom à la carte-Angebot gefiel mir das „gefüllte Suprême vom jungen Perlhuhn mit krossem Speck, Salbei, Tomaten und Knoblauch-Kroketten“, ein an sich einfaches Gericht von vollendeter Harmonie aus einer „raffinierten“ Küche. Beim Dessert wich unsere Überraschung der Begeisterung, für dieses feine, cremige Lavendeleis. Dem Niveau des Hauses entsprechend steht die Weinkarte dem übrigen Gebotenen in nichts nach und bietet neben einigen interessanten glasweise ausgeschenkten Weinen eine gelungene Auswahl aus regionalen und internationalen Kreszenzen.
Fazit: Die Frage, ob das Restaurant bei unserem Besuch nun halb leer oder halb voll war, ist leider sehr schnell zu beantworten. Dieses in jeder Hinsicht bemerkenswerte Restaurant verdient eine weit höhere Besucherfrequenz als zum Zeitpunkt unserer Visite!
Restaurant Papageno
Hüetlinstraße 8a, D-78462 Konstanz, Tel. 07531 368 660, Fax 07531 365 25 64, info@restaurant-papageno.net, www.restaurant-papageno.net
geöffnet Di. bis So. 12.00 -14.00 Uhr, und abends ab 18.00 Uhr
Hauptgerichte 25-33 Euro, Menüs 32-59 Euro
Text: Eugen Bücheler
Hotel Restaurant Thurtal
(D – Hüttlingen-Eschikofen) Man kennt das ja aus Italien: Die besten Restaurants findet man häufig nicht im Zentrum einer Großstadt, sondern abseits der Hauptstraßen in kleinen Dörfern. Aber auch in der Schweiz gibt es dafür Beispiele, so etwa das Restaurant Thurtal in Eschikofen im westlichen Thurgau.
Erst vor gut einem Jahr haben Rebecca und Jörn Engelhard das Restaurant mit seinen 40 Plätzen inmitten des ca. 150 Einwohner zählenden Dorfes Eschikofen übernommen – von Tanja Grandits, die das „Thurtal“ schon als Gourmetadresse bekannt gemacht hatte. Vorher zeigte Jörn Engelhard allerdings schon einige Jahre seine Kochkünste in der „Krone“ in Gottlieben. Im eigenen Betrieb will man sich vor allem auf „klassische mediterrane französische Küche“ konzentrieren. Alleine schon die Beschreibungen der Gerichte auf der Speisekarte versprechen große Küche: „Knusprige Hummercannelloni mit lauwarm mariniertem kanadischen Hummer an Sojasauce und Sesamöl“. Ob dieser Ankündigungsorgie auch Taten folgen, haben wir bei zwei Besuchen ausführlich getestet. Um es gleich vorweg zu sagen: Das Thurtal gehört zu den besten Restaurants, die man im Bodenseegebiet einschließlich der weiteren Umgebung besuchen kann. Als Restauranttester hat man es ja oft schwer. Da ist das eine Gericht gelungen, andere aber weniger. Und stimmt einmal alles beim Essen, dann gibt es Minuspunkte beim Wein oder Service. Hier aber war tatsächlich alles gelungen. Das oben erwähnte Gericht ist ein Traum, es schmeckt genauso gut wie es klingt. Das ebenfalls genossene Lammkarree ist auf den Punkt zubereitet, das auf der Haut gebratene Zanderfilet ist fest genug, ohne aber hart zu sein, und das „Kartoffel-Eierschwämmchen-Ragout“ muss dem Koch erstmal jemand nachmachen. Wo gibt es sonst noch so eine Delikatesse wie gebratene Kalbsmilken (Kalbsbries) auf Basilikumpesto mit Safranblüten-Orangenvinaigrette? Allen Speisen, die wir probiert haben, merkt man an, dass hier ein wirklicher Könner am Herd steht, der nicht nur Aromen überraschend kombiniert, sondern der auch handwerklich alles aus den Zutaten herausholt, wo man sich noch nach einer Woche an die perfekte Zanderhaut erinnert. Die Desserts sind darüber hinaus eigentlich viel zu schön, um gegessen zu werden. Alleine die zumeist selbstgemachten Pralinen, die zum abschließenden Kaffee gereicht werden, lohnen einen Besuch. Schön auch, dass die Weinauswahl mit den Gerichten mithalten kann, und dies auch vielfach mit Produkten aus der weiteren Region. Sehr angenehm auch, dass viele gute Weine, die sonst nur flaschenweise angeboten werden, im Thurtal auch glasweise ausgeschenkt werden. Ein Beispiel hierfür ist der sehr gelungene Chardonnay von Hans Bosch aus Boltshausen bei Weinfelden. Abgerundet wird das Gesamtbild durch einen sehr freundlichen und informierten Service.
Fazit: Nach dem Besuch fragen wir uns abschließend, wo der Haken bei der Sache ist. Um dies herauszufinden, müssen wir „leider“ dem Thurtal bald wieder einen weiteren abstatten.
Thurtal
Hauptstrasse 19, CH-8553 Eschikofen, Tel. 052 763 17 54, www.thurtal.ch
Geöffnet: Dienstag – Samstag 9.00-14.30 und 18.00-24.00 Uhr, Sonntag 10.00-16.00 Uhr.
Hauptgerichte 28 – 59 SFr, Gourmetmenü 130 SFr
Text: Henry Gerlach


