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Gastro-Test Mai 2008

Burg Hohenklingen

Burg Hohenklingen

(CH – Stein am Rhein) Die prächtige mittelalterliche Burg Hohenklingen, oberhalb des Städtchens Stein am Rhein, war schon immer ein Publikumsmagnet. Nach ihrer umfangreichen zweijährigen Restaurierung ist die Burg 2007 neu eröffnet worden – und damit auch das „Burgrestaurant“, das natürlich unser Interesse weckt.

Die Burg erklommen, betreten wir das äußert gemütliche Burgstübli und nehmen einen der begehrten Fensterplätze, mit Blick auf das tief unter uns gelegene Stein am Rhein ein. Obwohl wir uns verspätet haben, gibt uns die Dame vom Service das Gefühl, herzlich willkommen zu sein. Ihrer kompetenten Weinberatung folgend entscheiden wir uns für ein Glas „Burgfrauen-Wy“, einer Weißwein-Cuvée vom Weingut Saxer. Der dazu gereichte Gruß aus der Küche ist ein wahrer Gaumenschmeichler. Unter einer fragil ausgebackenen feinen Kartoffelhüppe tritt ein weich-aromatischer Crevettenschaum zutage, der harmonisch mit Curry abgeschmeckt ist. Obwohl das Restaurant voll besetzt ist, behält der Service die Ruhe, ohne dabei auch nur einen der Gäste zu vernachlässigen. Die Vorspeisen werden serviert und finden unsere Zustimmung. Meine transparente und aromatisch-dichte Entenkraftbrühe ist mit Grand Marnier parfümiert und mit eingelegten Sprossen ergänzt. Dies verleiht dem Consommé eine milde fruchtige Süße, gefolgt von der pfeffrigen Würze der Sprossen. Eine äußerst gelungene Interpretation dieses Suppen-Klassikers. Auch der „Hohenklingensalat“ mit Kalbsbruststreifen meiner Begleiterin ist ein Genuss. Einzig die harten und kalten Croutons hinterlassen ein unangenehm fettiges Mündgefühl und geben auch geschmacklich nichts her. Wir wechseln auf Empfehlung des Service zum Hauptgang auf den „Burgherren-Wy“ und genießen es richtiggehend, derart angenehm und umfassend umsorgt zu werden. Die eintreffenden Teller sind ansprechend angerichtet und duften herrlich. Das „Steinbuttfilet im Pistazienmantel gebraten, serviert mit Weißweinschaum, Camargue-Reis und Saisongemüse“ und die „Crêpes-Roulade gefüllt mit Trüffel-Kartoffelstock an Fontina-Sauce und Gemüsebeilage“ sind beide ein Gedicht. Der Steinbutt ist super-saftig im kernigen Pistaziengranulat-Mantel fest eingepackt und mit ausgebackenen Zitronen- und Orangenzesten kontrastiert. Jeder Bissen ist ein Hochgenuss. Der nussige rote Reis passt dazu ausgezeichnet, und selbst das etwas versalzene Fenchelgemüse kann diesen Genuss nicht trüben. Auch die Crêpe-Roulade ist exzellent. Die Kartoffelstockfüllung ist zwar farblich unauffällig, präsentiert sich jedoch als geschmackliches Feuerwerk. Die sämige Fontina-Sauce rahmt diese Aromen optimal und bindet auch das sorgfältig parierte Gemüse wunderbar ein. So macht vegetarisch Essen richtig Spaß! Wir schließen mit einer leckeren, luftig aufgeschäumten „Katalanischen Creme mit Rosmarin“ und beginnen, während die Küche hörbar blitz und blank geschrubbt wird, unseren Abstieg. Fazit: Die Burg Hohenklingen bietet gehobene phantasievolle Küche, die auch Vegetarier ernst nimmt. Unser besonderes Lob gilt dem Service!

Restaurant Burg Hohenklingen
CH-8260 Stein am Rhein, Tel. +41 (0) 52 741 21 37, Fax +49 (0) 52 741 21 34, . www.burghohenklingen.ch
geöffnet Dienstag-Sonntag von 10.00 Uhr bis 23.00 Uhr, Montag Ruhetag
Hauptgerichte 30 – 60 SFr.

Text: Peter Arweiler

Landgaststube Reiterhof-Stüble

Landgaststube Reiterhof-Stüble

(D – Steinhausen) Lust auf eine Landpartie? Ein Ausflug aufs Land hat viel zu bieten: Natur pur, frische Luft und gutes Essen.

Zum Glück hatten wir für unseren Ausflug kein Lunchpaket dabei. Wie hätten wir am „Reiterhof-Stüble“ in Steinhausen vorbeiradeln können? Direkt an der Dorfstrasse und im Schatten der „schönsten Dorfkirche der Welt“ liegt die Landgaststube, die seit 3 Jahren von Maria Büchelmeier-Romer und ihrem Mann Gerhard Romer betrieben wird. Ein Bauernhaus wie im Märchen: hell getünchtes Mauerwerk und eine dicke, schwere Eingangstür aus braunem Holz,die knarrt, wenn man sie öffnet. Auch wenn an diesem Sonntag die Sonne auf die Terrasse scheint, für einen Platz im rustikalen Biergarten mit Grill und Livemusik ist es noch zu früh. Ein letzter Blick auf die jahrhundertealte Baumwurzel, die am Hauseingang als Tisch dient – und hinein in die gute Stube. Ein solider Steinboden unter den Füßen, Holzbalken unter der Decke und jede Menge dekorativer Kitsch, der zur rustikalen Stube passt. Gekocht wird hingegen ohne Schnörkel. Auf den Tisch kommen Gerichte wie zu Omas Zeiten. Der Wirt ist seit 25 Jahren für seine altschwäbischen Spezialitäten bekannt und Koch aus Leidenschaft. Linsen mit handgeschabten Spätzle, saure Kutteln, Nierle, hällisches Landschwein, schwäbischer Saumagen sind besondere Leckerbissen und werden in der Backröhre gegart oder gegrillt. Nichts kommt aus der Mikrowelle, alles wird frisch auf dem Gasherd gekocht. Wartezeiten in Kauf genommen. Das Pilgerpfännle, ein mit Bergkäse überbackenes Kartoffelgericht mit Salat (5 €) war tadellos und reichlich. Ebenso der Grillteller (13,20€). Er war nicht sparsam portioniert und wurde mit spanischen Kartoffeln, Gemüse, Rind- und Schweinefleisch serviert. Oma hätte den nicht besser hinbekommen. Ob sie dazu frittierte Calamaris gereicht hätte…wer weiß? Darüber denken wir aber nicht weiter nach und zählen das Lokal zu den nettesten und urigsten Dorfgaststuben in Oberschwaben. Bleibt zu erwähnen, dass das „Reiterhof-Stüble“ direkt am Jakobusweg liegt und offizielle Stempelstelle für Pilger ist. Selbstgemachter Most und das Benevenutuswässerle sind Spezialitäten, die den Pilgern Kraft für ihren langen Weg bis Santiago de Compostela geben. Fazit:„En Bene“ passt wundervoll nach den deftigen Mahlzeiten, die Gerhard Romer in der Küche zubereitet und seine Frau lächelnd an den Tisch bringt. Das Reiterhof-Stüble mit seinem urigen Charme ist allemal einen Besuch wert!

Landgaststube Reiterhof-Stüble
Gerhard Romer
Dorfstrasse 8
D – 88427 Steinhausen
Tel.: +49/(0)7583/927132
www.reiterhof-stueble.de

Text: Daniela Brüggemann

Restaurant Hotel Rheingerbe

Restaurant Hotel Rheingerbe

(CH – Stein am Rhein) Das Restaurant Hotel Rheingerbe liegt direkt an der Rheinpromenade in Stein am Rhein, autofrei und zu Fuß in drei Minuten vom Parkplatz entfernt oder auch bequem mit dem Schiff zu erreichen. Schon bei der Einfahrt in das malerische Städtchen schlägt das Herz höher, umso mehr als unser Ziel kulinarisch vielversprechend ist.

Die Rheingerbe von Christof und Gabriela Meier, 1517 als schmuckes Riegelhaus erbaut, das früher als Gerberei diente, ist ein Restaurant mit gepflegtem Ambiente im 1. Stock gelegen und mit schönstem Blick auf den Rhein. Der Empfang im lichtdurchfluteten Raum mit festlich gedeckten Tischen und Blumenschmuck ist freundlich und zuvorkommend. Das rauchfreie Lokal strömt viel Charme aus, die Platzwahl im gut besetzen Restaurant dürfen wir selbst vornehmen. Uns lockt die kreative und saisonal-aktuelle Fischküche des Chefs zu Tisch. Seit 2001 im Besitz der Auszeichnung der Tafelgesellschaft zum goldenen Fisch, bereitet die Küche nicht nur Standards aus der reichen Menükarte zu, sondern wartet mit Tagesempfehlungen auf, direkt aus dem Rhein. Die Auswahl ist umfangreich, vielleicht etwas zu üppig. Vom einfachen Fischteller bis hin zum großen Fischmenü lassen sich die Sinne inspirieren. Frische Fische aus dem Bodensee und Rhein dominieren das Angebot. Die Tagesspezialität wird uns mit der Speise- und Weinkarte vom aufmerksamen Service kompetent empfohlen. Wir entscheiden uns nach Rückfrage für eine ganz gebratene Rhein-Äsche – aus Stein am Rhein natürlich, und am gleichen Tag frisch gefangen. Eine saisonale Spezialität von fachkundigen Händen hoher Schule zubereitet. Zum Einstieg lassen wir uns von einer Steiner Rieslingcrèmesuppe erwärmen. Die Kunst des Suppenmachens hat der Chef gründlich erlernt und erntet dafür auch ein erstes Kompliment. Die Rhein-Äsche wünschen wir uns entgegen der Speisekarte mit buntem Markt-Gemüse aus einem anderen Gericht. Beim Nachservice des zweiten Filets stellten wir mit Zufriedenheit fest, dass die 5-fache Gemüsebeilage nicht nur auf dem ersten Teller gesondert abgeschmeckt wurde, sondern auf dem zweiten Fischteller gar wechselte. Insgesamt achterlei verschiedene Gemüse-Häppchen, jedes in seiner Eigenheit belassen und optisch gekonnt präsentiert, schmückten die zwei heißen und schönen Fischteller. Zum Fisch, auf den Punkt in Butter gebraten und dennoch mit gutem Biss – vielleicht etwas „mutig“ gewürzt –, genossen wir einen Heida aus dem Wallis, einen fruchtigen, intensiv nach frischen Gras duftenden Weißwein aus dem Vispertal, wo der höchstgelegene Rebberg Europas ist. Die beiden Äschen-Filets wurden mit der knusprigen Haut und den für Fischliebhaber wichtigen Bestandteil der zwei „Fischbäggli“ serviert. Beim Dessert, einem Erdbeer-Tiramisu, fand die bis dahin gelungene Raffinesse der Küche einen vorläufigen Halt. Etwas zu mastig mundete die Crème – mehr als Coupe denn als Tiramisu. Die erwartete harmonisierende Wirkung der leichten Säure des getränkten Biskuits zur Crème brach erst ganz zum Schluss durch. Fazit: Wer Fisch in dieser Frische und hohen Qualität zuzubereiten weiß, ist wahrlich ein Meister seines Fachs und verdient höchste Anerkennung.

Restaurant Hotel Rheingerbe, CH-8260 Stein am Rhein, Schifflände 5, Tel. +41 (0)52 741 29 91, Fax +41 (0)52 741 21 66, , www.rheingerbe.ch
Öffnungszeiten: Mi. – Mo. 9 – 24 Uhr, Ruhetage: Sommer Di. – Winter Di. – Mi., Betriebsferien: Jan./Feb.
Lunchteller ab 24 SFr, Menü ab 60 SFr, à la carte: 29 – 45 SFr

Text: Peter Hofstetter