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Gastro-Test Dezember 2008

Restaurant Gemeindehaus

Restaurant Gemeindehaus

(CH-Neunkirch) Eine ungeschriebene Regel besagt, dass man in Weinregionen besonders gut isst. Aus dem Klettgau, genauer aus den Rebbaugemeinden Hallau, Wilchingen und Osterfingen "hinter" Schaffhausen, stammen kraftvolle und ausdrucksstarke Weine. Im Gemeindehaus im benachbarten Neunkirch, so ein Winzer mit leuchtenden Augen, würde man hervorragend speisen …

Im spätgotischen Gemeindehaus, das die historische Häuserzeile am Obertor dominiert, lädt ein großzügiger, von alten Balkendecken geprägter Gastraum mit langen Holztischen im Enoteca-Stil zum Tafeln ein. Von einer Serviertochter ausgesprochen charmant empfangen, fühlen wir uns gleich wohl in der ungezwungenen Atmosphäre und suchen entspannt einige Leckereien aus der Wein- und Speisekarte aus. Ein mediterraner Gemüseteller, begleitet von Schaffhauser Rindfleisch-Tartar und Briochetoastbrot, entführt uns sofort in den siebten kulinarischen Himmel. Viele kleine, fein aufeinander abgestimmte Köstlichkeiten wie eingelegtes Gemüse, Randen- und Frischkäseterrine, erstklassige Kürbiskerne und Parmesanspäne bilden farbige Tupfer auf dem schön eingerichteten Teller, in dessen Mitte der mit frischem Peperoncino abgeschmeckte Rindstartar das Ganze dominiert. Den geschmacklichen Höhepunkt markiert ein kandiertes Kumquat, mit süßer, nach Orangen schmeckender Frischkäsecreme gefüllt und mit einer halben Marroni garniert, das den vordergründig milden Geschmack des Fleischtartars unterstützt, um danach die angenehme Schärfe, die erst der Gaumen verspürt, abzumildern. Die Weinbauernsuppe, die durch Rebholzasche und raffinierte Gewürze ihren letzten Schliff bekommen hat, demonstriert, dass zwischen Rieslingcreme und luftig aufgeschlagenem Rotwein-Sabayon perfekte Harmonie herrschen kann. Dazu ein schnörkelloser, sortentypisch vinifizierter offener Chardonnay der Familie Gysel aus Hallau. Das in kleine Würfel geschnetzelte Kalbsleberli, mit viel Gefühl zartrosa in Butter geschwenkt und mit aromatischen Gartenkräutern, Zwiebeln und Knoblauch exzellent abgeschmeckt, und ein krosses, goldgelb in Butter gebratenes Rösti beweisen, dass scheinbar simple Genüsse die besten sind. Die „Kalbsbaggen, geschmort im Blauburgunder mit Peterli-Liebstöckelpüree“ sind eigentlich als Vorspeise gedacht, können aber mit einem Aufschlag von 10 Franken als Hauptgang geordert werden. Dies tun wir auch und bekommen zwei tadellos zubereitete, herrlich mürbe Kalbsbacken in einer kräftigen Sauce, die vor Röstaromen strotzt und nach einem kapitalen Roten schreit. Der kräftige, terroirbetonte Pinot Noir „Aalts Holz“ von der Rötiberg-Kellerei in Wilchingen passt hervorragend zur dunklen Sauce und zur geschmacklichen und optischen Pointe, die sie durch ein paar zerstoßene Kaffeebohnen auf dem grün-gekräuterten Püree bekommt. Das leichte Pinot-Noir-Sorbet und die Aprikosenglacé mit ausgeprägtem Eigengeschmack und markanter Säure erfrischen die angenehm müden Geschmacksknospen und bereiten sie auf das abschließende Desserterlebnis vor: einen Schokoladenspitz auf Apfelkompott, mit Zimteis gefüllt und mit knackigen Rotweinzwetschgen garniert.
Fazit: Historisches Ambiente, souveräne Küche, individueller Service. Kurzum: der ideale Ort für kulinarische Perfektionisten und Liebhaber regionaler Spitzenweine.

Restaurant Gemeindehaus
Vordergasse 26, CH-8213 Neunkirch
Tel. 0041 (0)52 681 59 59, Fax 052 681 50 07
www.restaurant-gemeindehaus.ch
geöffnet Mi.-Fr. 11-14 Uhr und ab 18 Uhr, Sa. ab 18 Uhr, Ruhetage So. Mo. u. Di., für Anlässe 365 Tage geöffnet
Hauptgerichte 28-54 SFr, Menü 49-75 SFr, mittags ab 18 SFr.

Text: Gert Höcherl

Feng Shui Restaurant CONTRAST

Feng Shui Restaurant CONTRAST

(D-Laupheim) Es gibt im Oberschwäbischen nicht viele durchgestylte Restaurants, deren gesamte Einrichtung und die dadurch erzeugte Ausstrahlung so stimmig sind, dass sich die entspannende Wirkung sofort auf die Gäste überträgt. Eins davon ist zweifellos das nach der chinesischen Lehre des Feng Shui eingerichtete Restaurant CONTRAST im Hotel Laupheimer Hof in Laupheim.

Mit dem Licht, den klaren Konturen, den italienischen Fliesen, den in Nussbaum gebeizten Möbeln und der asiatischen Kunst überzeugt das CONTRAST in Stil und Ausdruck und bekommt allein dafür die Note 1. Die Einrichtung des Restaurants ist passend zu der eurasischen Küche, die Thomas Rößler anbietet. An jedem 1. Freitag startet der Küchenchef mit Sushi Spezialitäten in den neuen Monat. Entsprechend heisst das Motto: Sushi Night. Frisch zubereitete Kreationen, wie Nigri, Maki, Osaka oder Tokio, eingerollt mit Möhrenstiften, geräucherten Fisch, Gurken, würzigen Zutaten, Nori-Blatt und klebrigen Reis werden „bequem“ mit Fingern oder Stäbchen gegessen, ohne den Magen zu belasten. Bei der großen Sortenvielfalt bleibt es spannend, ein neues Häppchen zu probieren. Ebenso gut schneidet die Küche an diesem Abend bei den beiden Hauptgerichten ab, die alternativ zur Sushi-Night angeboten werden. Blutig ist der Zwiebelrostbraten auf knackigem Gemüse bestellt worden – blutig und zart liegt der Braten dann auf dem Teller. Hervorragend sind auch die vietnamesisch marinierten Schweinefiletmedaillons, mit Zitronengras, Röstgemüse und Würfelkartoffeln gelungen. Während die Medaillons schön saftig bleiben, schmecken die Würfelkartoffeln mild, ohne dabei zu langweilen. Dazu passen auch die verschiedenen Saucen und Dips, die ohne Geschmacksverstärker zubereitet wurden. Ein stimmiger Begleiter neben der übersichtlichen Weinkarte ist ein „betörender“ Grüner Tee oder der traditionelle Reiswein Sake. Mild und süß endet der Abend schließlich beim Dessert. Wer jetzt das Grün-Tee-Eis an Früchten und Himbeersauce bestellt hat, der sollte vorher besser nur eine Kleinigkeit und kein blutiges Rumpsteak gegessen haben. Süchtig macht das Trio von Creme Brulee Ingwer-, Kürbis- und Holunderbeeren.
Fazit: In einem ausgewogenen Mix aus oberschwäbischer Tradition und asiatischer Moderne, überzeugt die kulinarische Ausrichtung, die stilvolle Ausstattung und der charmante Service im CONTRAST.

Weitere Informationen:
CONTRAST
Rabenstr. 13
D-88471 Laupheim
Tel.: +49 (07392) 975 0
Fax: +49 (07392) 975 222
www.restaurant-contrast.de

tgl. 17:00-22:00 Uhr, Sonn- und Feiertags ab 16:00 Uhr

Text: Daniela Brüggemann

Nichtraucherrestaurant Sternen

Nichtraucherrestaurant Sternen

(CH – Lengwil) Wenn man den Sternen von seiner schön restaurierten Giebelseite des imposanten Fachwerks betritt, gelangt man durch einen schmal wirkenden Flur in den Schankraum, der sich dann zum großzügigen Wintergarten, dem eigentlichen Restaurant, hin öffnet. Die Einrichtung des Wintergartens ist unerwartet modern und lädt zu bequemen Sitzen ein. Von der Raumluft her war das Restaurant seiner Zeit weit voraus – seit 1987 ist es rauchfrei.

Die Begrüßung durch die Besitzerin, Barbara Bieri-Bachmann, ist herzlich, und auch ohne Reservierung war noch ein schöner Tisch in dem gut besuchten Gastraum frei. Nach bester fachlicher Manier kam die Speise- und die Weinkarte mit der Abfrage nach einem gewünschten Aperitif sehr prompt und professionell. Auf jeden Fall versierter, als ich es in einem Landgasthof erwartet hätte. Diese Qualität des Service zog sich im übrigen auch durch den ganzen Abend. Die Speisekarte wird mit einer Tageskarte gereicht und ist auf buntem Hintergrund sehr solide aufgebaut. Vieles aus der klassischen Küche ist hier wieder zu finden, wobei auch eine ganze Doppelseite den Freunden vegetarischer Speisen vorbehalten ist. Auf der Tageskarte stehen sehr schöne saisonale Gerichte aus der Region. Serviert wurde eine vom Küchenchef Bernhard Bieri-Bachmann klassisch gekochte Oxtail, die unmittelbar signalisierte, dass der Patron sein Handwerk mit einem sehr soliden Fundament versehen hat. Auch der Saison-Salat überzeugte durch seine Frische und die Produkte aus der Umgebung. Auf den Löffel Maiskörner kann man in Anbetracht der „üppigen Knackigkeit“ vielleicht verzichten. Im Hauptgang gab es zweimal Reh: Einmal ein Rehpfeffer an bunten Gemüsen, der auch wieder von einem versierten Handwerk gezeichnet war. Hier ist die Balance der Gewürze leicht in Richtung des Salzes verschoben, wo es noch eine Prise des (vermeintlich) namensgebenden Gewürzes gebraucht hätte. Das zweite Rehgericht waren Rehmedaillons in einer Wildrahmsauce mit ebenfalls bunten Gemüsen, die einfach als sensationell zu beschreiben sind. Perfekt gebraten, durchgehend rosa. Die Sauce wie aus Omas Küche, einfach wundervoll, mit der richtigen Menge an Mehl, Rahm und Butter. Die Gemüse von beiden Gerichten – à point, wie man in der Küche sagt. Rosenkohl, Böhnchen, Möhren, Rotkohl sowie ein Preiselbeerapfel, einige Maronen und Trauben, alles einfach sehr gut und tadellos. Die Dessertkarte machte leider einen sehr eislastigen Eindruck, und ein wirklich phantasievolles Dessert, wie es am Nachbartisch nach dem 6-gängigen Überraschungsmenü geboten wurde, war leider nicht zu finden. Ein Caramelköpfli und ein vom benachbarten Bauern gemachtes Erdbeereis mit den letzten genial frischen Himbeeren fand dann doch noch den Weg an den Tisch.
Fazit: Der Sternen in Lengwil ist ein sehr zu empfehlender Landgasthof, in dem die Harmonie einiger gestalterischer Elemente noch auf das Niveau der sehr guten Service- und Küchenleistung aufschließen darf.

Nichtraucherrestaurant Sternen
CH-8574 Lengwil, Bahnhofstraße 1
Tel. 071 688 21 10, Fax 071 688 21 82
www.nr-sternen.ch,
geöffnet Mittwoch – Samstag: 9.00 – 24.00 Uhr, Sonntag 10.00 – 22-00, Montag und Dienstag Ruhetag, in den Sommerferien zwei Wochen Betriebsferien
Reservierungen sind telefonisch erbeten
Hauptgerichte 37 – 55 SFr, Menüs ab 55 SFr.

Text: Stefan Sold