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Gastro-Test Januar 2008
Café Bar Restaurant Steg 4
(D – Konstanz) Kaum jemand erinnert sich noch, dass man vor etwa 15 Jahren die zwei alten Güterhallen in der Gebäudezeile zwischen dem Konstanzer Bahnhof und der Hafenpromenade bis auf das unter Denkmalschutz stehende Steingebäude abreißen wollte, um den Blick vom Bahnsteig auf den Hafen zu öffnen. Heute ist der architektonisch gekonnt revitalisierte Gebäudekomplex, in dem sich "Steg 4" befindet, architektonisch preisgekrönt und ein wahrer Touristenmagnet im Sommer.
Im Winter geht es beschaulicher zu, man kann durch die breite Glasfront den Blick über die Hafenpromenade ungestört schweifen lassen. Im hohen, stilvoll gestalteten Raum, der durch die Kombination von alten Steinwänden und Naturholz viel Wärme ausstrahlt, gibt es neben dem Barbereich und der langen Theke einen optisch gesonderten Bereich für Gäste, die speisen möchten. Die riesige Spiegelwand und das Flackern der Kerzen verleihen ihm eine besondere Atmosphäre, feierlich und gemütlich zugleich. Die Speisekarte mit mediterranen und regionalen Elementen ist recht abwechslungsreich, auch die Vegetarier kommen hier nicht zu kurz. Wir entscheiden uns heute für Fisch und starten mit der Bodensee-Fischsuppe „Steg 4“, die dem Namen des Hauses alle Ehre macht. Der gehaltvolle Sud in der stattlichen Terrine ist angenehm leicht tomatisiert, wohldosiert mit einem Schuss Sahne verfeinert und sehr gekonnt abgeschmeckt. Die Fischeinlage schmeckt so, wie sie der Kenner von Bodenseefischen liebt und nicht viel zu oft bekommt. Der Riesling „Rothlai“ des Moselrieslingmeisters Dr. Loosen, den wir aus dem eher kleinen, aber feinen Sortiment von Flaschenweinen wählen, harmoniert wunderbar mit der Suppe und wird sich auch im weiteren Verlauf des Abends als ausgezeichneter Essensbegleiter erweisen. Seine Trauben wachsen ausschließlich auf weichem Rotschiefer, was dem Wein eine mineralisch komplexe und feinfruchtige Note verleiht. Das erste Fischgericht macht eine "bella figura": Saint Pierre-Filets von sehr guter Qualität, gebraten à point, angerichtet mit kleinen, bissfesten, hausgemachten Gnocchi auf gestoßenem Pfeffer und Blattspinat nach mediterraner Art. Leider ist dem Koch beim Spinatabschmecken zu viel Salz herausgerutscht, was den positiven Gesamteindruck etwas trübt. Das zweite – eine exotische Kombination von Red Snapper auf Rosinen-Kürbis-Chutney und Rosetten von lila Kartoffeln – ist keineswegs alltäglich. Die kapitalen Fischfilets überzeugen erneut durch Qualität und tadellose Zubereitung, die Rosinen verdecken jedoch den Kürbisgeschmack, und die angekündigten Rosetten entpuppen sich als lilafarbene, aber recht langweilige Röschen aus gespritztem und ausgebackenem Kartoffelpüree (Pommes dauphines). Viel Freude beim Dessert bereitet ein Orangenparfait im Bisquitmantel, das Parfait von weißen Pfirsichen ist hingegen auch geschmacklich ziemlich blass. Fazit: Schönes Ambiente, das zu Entspannung und Genüssen einlädt. Gute zeitgemäße Küche mit kreativen Elementen und kleinen unnötigen Beilagen-Schwächen. Ein schöner Abend, den der Servicemitarbeiter angenehm zurückhaltend, fix und professionell begleitet.
Steg 4
Hafenstraße 8, 78462 Konstanz, Telefon 07531 17428, Fax 24438, www.steg4.de,
geöffnet täglich 11-1 Uhr, Küche 11.30-14 Uhr, 17.30-22 Uhr, Hauptgerichte 9 – 18 Euro
Text: Gert Hoecherl


