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Gastro-Test Mai 2007

Weisser Turm

Weisser Turm

(D – Biberach a.d.R.) In Biberach, direkt neben der Stadthalle, gibt es eine kulinarische Perle zu entdecken – das Restaurant „Weisser Turm“. Die jungen Gastgeber werden „Die drei Sympaticos“ genannt, heißen aber im bürgerlichen Leben Marc Mainka, Frank Engel und Geli Holderried. Wie sie zu dieser freundlichen Bezeichnung kommen, wissen die drei selbst nicht, aber es ist zu vermuten, dass es an der herzlichen und unkomplizierten Art liegt, Gourmetküche zu präsentieren.

Marc Mainka kommt mit einer großen Natürlichkeit auf uns zu und begleitet uns an den reservierten Tisch, wo uns knusprig gebackenes Oliven- und Basilikumbrot auf Kräuterquark erwartet. Ein besonderes Geschmackserlebnis ist die Selleriecremesuppe mit Petersilienschaum. Die passierte, aromaintensive Suppe ist erstklassig und überzeugt mit den schwimmenden, auf den Punkt gekochten Gambas. Ein raffiniertes Gericht voller Exotik. Passend zu meiner Vorspeise hat meine Begleitung Carpaccio vom heimischen Rind mit Raukecreme und Paprikasalsa für 10 € gewählt und ist hingerissen von Zubereitung und Anordnung der Produkte. Das hauchdünn geschnittene Carpaccio ist in Form eines Fächers angeordnet und wird mit einem erfrischenden Salat abgerundet. Das Glas Riesling-Sekt von der Sektkellerei Reinecker mit selbstgemachtem Waldmeistersirup ist ein echter Geheimtipp, so wunderbar fruchtig und mild prickelt es auf der Zunge. Nach einem Glas würden wir gerne noch ein zweites bestellen, denn der Hauptgang, so spüren wir, sollte nicht ohne Wein genossen werden. Also fragen wir den Service nach der Weinkarte und sind begeistert von dem gut sortierten Weinkeller. Neben klassischen Weinen aus der Region stehen auch überregionale und internationale Weingüter auf der Karte. Passend zu meinem gebratenem Zanderfilet mit Lavendelschaum auf Oliven-Couscous und karamellisiertem Chicorée sowie den Kalbsleberscheiben in Amarettinikruste entscheiden wir uns für ein trockenes „Domänenviertele“ vom Staatsweingut Meersburg, Baden zu 4,40 € und sind sehr zufrieden mit dieser Wahl. Frank Engel, der in Brenners Parkhotel in Baden-Baden und im Parkhotel Adler in Hinterzarten bereits den Kochlöffel schwang, beherrscht sein Handwerk und hat mit dem Oliven-Couscous unter dem Chicorée-Mantel ein Gespür für die richtige Dosis Exzentrik im Schwabenländle. Ein besonderes Vergnügen bereitet der Weizengrieß in Kombination mit dem bitteren Geschmack des Chicorées. Einen kulinarischer Höhenflug stellen auch die schmackhaften Kalbsleberscheiben in Amarettinikruste dar und hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck bei meiner Begleitung. Der glasierte Lauch mit Kartoffel-Petersilienpüree vertreibt die trübe Winterzeit und lässt es mit den frischen Granatkernen im Munde krachen. Als Dessert wählen wir einen Salat mit frischen Früchten und hausgemachtem Bananen-Jogurt-Eis und erhalten einen fröhlich bunten Obstsalat mit Schokoröllchen, Minzblättchen und einem zart schmelzenden Eis. Herrlich!
Fazit: Frank Engel offeriert seinen Gästen eine exquisite Küche voller Raffinessen. Dabei verbindet er gern alte und neue Elemente und fügt den Gerichten eine gute Prise Kreativität zu. Seine Küche ist experimentell, für die hiesige Region mutig, und offenbart eine erfreulich andere Art des Geschmacks.

Restaurant „Weisser Turm“, Theaterstr. 4-8, 88400 Biberach,
Tel.: +49 (07351) 79 87, Fax: +49 (07351) 79 88, www.stadthalle-bc.de, geöffnet: 11.30 Uhr bis 14.00 Uhr (außer Samstag), 18.00 Uhr bis 24.00 Uhr, Montag Ruhetag, Hauptgerichte ab 15 €.

Text: Daniela Brüggemann

Oberschwäbischer Hof Schwendi

Oberschwäbischer Hof Schwendi

(D – Schwendi) Der Name „Oberschwäbischer Hof“ weckt alle möglichen Erwartungen, nur nicht die an einen hochmodernen Gastronomiebetrieb in geschmackvollem Design. Insofern überrascht die geradlinige Atmosphäre der von Kirschholz dominierten Räume schon ein wenig – aber auf jeden Fall positiv. Auf der Karte steht eine kleine Auswahl feiner Gerichte, die französisch inspiriert sind. Ein paar schwäbische Klassiker gibt es außerdem. Der Weinkeller ist mit allerlei deutschen Lagen gefüllt, die Auswahl internationaler Tropfen ist ordentlich, wenn auch nicht großartig.

Und mit was grüßt die Küche? Ah – mit einem Sülzchen vom Tafelspitz, durchzogen von allerzartestem Gemüse, begleitet von säuerlichen Linsen. Der so angeregte Appetit freut sich auf die Vorspeise. Es gibt gegrillte Riesengarnelen auf feurigem Couscous, dazu ein paar Kleckse brandgefährlicher Chilijoghurt. Vorsicht, nur nicht zuviel auf einmal, sonst explodieren die angriffslustigen Aromen womöglich auf der Zunge. Doch der Koch hat das rechte Maß für scharfe Sachen: Die Meerestiere sind saftig, das Getreide ist körnig und perlt über die Gabel. Gelungen. Dieses Lob holt sich auch die Hauptspeise ab. Der Kalbsrücken – gewickelt in Speck und Thymian – singt das Hohelied der Küchenkunst, aalt sich rosarot auf giftgrünen, winzigen Spargelspitzen. Der Saft des Fleisches infiziert das Waldpilzragout mit purem Geschmack, über allem schwebt der Duft von Trüffeln, die in Form von aromatischem Öl beigemengt sind. Putzige Puffer aus Kartoffelteig passen gut dazu. Der süße Abschied fällt blutig aus, blutorangig, um genau zu sein: Auf allerfeinstem Biskuit türmt sich eine erfrischende Masse aus säuerlichen Zitrusaromen, zartbitter auch das Sorbet von der Blutorange. Die bienenfleißigen Bedienungen können mit dem Qualitätsanspruch der Küche spielend mithalten. Das Timing der Speisefolge ist angenehm, weder muss der Gast zu lange warten, noch wird er von den Gängen überrollt. Auch die Rechnung bringt keine böse Überraschung: die Preise sind sogar etwas günstiger, als sie sein dürften.
Fazit: Der Oberschwäbische Hof ist ein weiterer Vertreter der leichten und eleganten Küche, die Wert auf regionale Anklänge legt und sich doch – bei aller Raffinesse – nicht verkünstelt.

Oberschwäbischer Hof, Familie Reisch, Hauptstraße 9-15, D-88477 Schwendi, Telefon +49 (07353) 98 490, Küche von 12 bis 14 Uhr, abends von 18 bis 21.30 Uhr, sonntags nur kleine Karte, Hauptgerichte von 11,50 bis 22 Euro.

Text und Bild: Erich Nyffenegger